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(Eintrag vom 27.07.2002)
30. Juni 2002
03. Juli 2002
Kreta hat vier große Städte die alle an der Nordküste liegen. Nach Chania
noch Rethimnon, Heraklion und Agios Nikolaos. In Rethimnon gibt Überreste eines
schönen venezianischen Kastells. Die Außenmauern sind noch recht gut erhalten
und innen sieht man noch einige Zisternen. Allerdings haben sie ein paar
Gebäude neu aufgebaut und nützen diesen romantischen Ort für kulturelle
Veranstaltungen aller Art.
Weiter geht es dann nach Heraklion. Es ist eine riesige Stadt und dafür haben
sie im Hafen aber keinen ordentlichen Platz für eine Segelyacht. Wir können
längsseits an einer Außenmole festmachen und liegen denkbar ungünstig.
Jedesmal wenn eine Fähre ankommt oder abfährt hat man das Gefühl, sie fährt
mitten durch unser Schiff. Wir mieten uns ein Auto für einen Tag und
besichtigen die berühmten Ausgrabungen von Knossos. Hier wurde im 19. Jhdt. ein
Palast aus minoischer Zeit freigelegt. Außerdem erwarten wir hier Karin und
ihren 8 jährigen Sohn Pauli. Sie kommen für 2 Wochen zu uns aufs Schiff.
Wir sind mit den beiden im Uhrzeigersinn unterwegs und segeln über Agios
Nikolaos, Sitia, Vai usw. nach Ierapetra im Süden der Insel wo sie uns wieder
verlassen werden und Ines`s Schwager in spe Bernhard für eine Woche an Bord
kommt. Wie sich im Laufe der Zeit herausstellt ist Pauli seefester als Karin.
Sie ist ab und zu schon mal recht grün im Gesicht und füttert Poseidon.. Aber
im großen und ganzen hält sie sich gut. Sie haben auch verschärfte
Bedingungen, denn Wind und Wellen zeigen ordentlich was sie können.
19. Juli 2002
Heute ist es so weit. Karin und Pauli verlassen uns. Für die beiden wird es
noch eine lange Nacht, denn sie gehen Freitag abend von Bord und erst Samstag
früh geht ihre Maschine von Heraklion weg. Die Fahrt mit dem Bus dorthin
beträgt 2,5 Stunden.
Schon am Mittag holen wir Bernhard vom Bus ab. Nach einem Willkommens - Ouzo mit
kühlem Bier gehen wir an Bord. Wir haben relativ stark rollende See - zwar
keinen Wind aber es schaukelt ordentlich. Ines hat zum Abschied von Karin und
Pauli und zur Begrüßung von Bernhard Zaziki gemacht. Naja - Pauli hat gedacht,
er muß beim Schnorcheln das ganze Meer austrinken und das hat sich leider mit
dem Essen nicht vertragen. Bernhard braucht dazu das Meer nur anzuschauen - und
muß auch "retourjausnen". So sind sie, unsere Landratten.( oder liegt
es am Zaziki ???????)
Mittlerweile hat sich Bernhard gut eingelebt und ist auch seetauglich. Allerdings hält er es unter Deck nicht aus. Wir bleiben noch einen Tag in Ierapetra und segeln dann weiter nach Westen in eine Bucht namens Tsoutsouros . Hier haben wir sehr starke nächtliche Fallböen. Als wir am nächsten Tag weiterfahren, frischt der Wind auf bis zu 47 Knoten auf. In der Ferne glauben wir eine Insel zu sehen, die wir aber auf der Seekarte nicht ausmachen können. Wir stellen dann jedoch fest, dass das "nur" aufgepeitschtes Wasser ist welches über das Meer fegt und daraus entsteht dann noch eine Windhose. Allerdings legt sich dieser Wind wieder und wir verbringen noch wunderschöne und heiße Tage in einer schönen Bucht mit türkisfarbenem Wasser. Unser Endziel für diese Etappe ist Agio Galini. Zwar ein reiner Touristenort aber trotzdem sehr nett. Hier verlässt uns Bernhard am Freitag um 6 Uhr morgens mit dem Taxi Richtung Heraklion.
Wir fahren weiter, unter Motor, gegen den Wind und aus reiner Routine legt
Ines die Schleppangel aus. Nach ein paar Stunden beißt doch tatsächlich was
an. Nik holt die Leine ein und es schimmert ziemlich blau, sodass er meint:
" nur ein Plastiksack". Aber dem war nicht so. Wir haben einen
Thunfisch mit 75 cm Länge gefangen. Der hatte geschätzte 8 - 10 kg. So gibt es
die nächsten 5 Tage Fisch zu essen. Mal im Rohr, mal in der Pfanne mit
Zwiebeln, mal mit Gemüse und dann als Suppe. Der Rest geht leider über Bord,
da wir keine Möglichkeit haben, ihn tief zu kühlen.
Aber es war schon ein tolles Erlebnis.
Unser nächstes Ziel ist Loutro. Dieser winzige Ort ist nur über den Seeweg erreichbar und besteht eigentlich nur aus Hotels, Pensionen und Tavernen. Allerdings geht es sehr ruhig zu. Und so haben wir Gelegenheit wieder mal Hand an unser Schiff zu legen. Wir streichen das von Sonne und Salzwasser stark gebleichte Teakholz. Mit der Ruhe ist es allerdings am nächsten Tag vorbei. Wir haben starken Schwell aus Süden. Unser Schiff liegt längsseits zur Kaimauer und rollt sehr stark. Das wird ziemlich ungemütlich. Ein Einheimischer sagt uns dann noch, dass Wind und Wellen über Nacht sicher noch zunehmen werden und so "flüchten" wir und finden im ca. 3 sm entfernten Chora Sfakion einen Schutzhafen.
29. Juli 2002
Heute erreichen wir Paleochora. Ein kleines Städtchen, sehr stark vom
Tourismus beeinflusst aber trotzdem mit griechischem Flair. Hier stimmt auch
noch das Preis - Leistungsverhältnis und die Menschen sind ungeheuer
freundlich. Wir bleiben 2 Tage bevor wir vorbei an Kreta`s Westküste und
Gramvousa Richtung Nord-Osten nach Santorin aufbrechen. Tagsüber haben wir
mässigen Wind sodass wir sogar ein paar Stunden motoren müssen. Allerdings
kommt abends Südwind auf und wir segeln die nächsten 12 Stunden nur mit der
Genua und machen wirklich gute Fahrt. Um 5 Uhr morgens sind schon die Lichter
von Santorin auszumachen und um 9 Uhr fahren wir bereits in den Krater ein. Es
ist ein überwältigender Anblick wie sich die Häuser der Ortschaften auf den
Bergrücken aneinander reihen. Das Meer in diesem Krater ist mit ca. 2 - 300 m
sehr tief und daher ist an ankern nicht zu denken. Wir finden eine freie Boje,
welche meist vor Tavernen ausgelegt werden , und machen daran fest. Hier
verbringen wir einige Tage , auch Nik`s Sohn Gregor ist mittlerweile angekommen,
und machen einen kurzen Abstecher nach Norden zur Insel Ios. Allerdings ist es
hier verdammt laut und nach ein paar Tagen geht es schon wieder retour nach
Santorin wo wir in der Marina Nik`s Schwester, Schwager, Nichte und Freund
erwarten. Die "Windies". Sie bleiben 2 Wochen bei uns - allerdings
verlässt uns Gregor nach einer Woche wieder. So sind wir 6 Personen an Bord und
machen uns wieder auf den Weg nach Kreta. Keine Kleinigkeit für unsere
"Landratten". Wir haben mit 4 Bft. und 1,5 m hohen Wellen recht harte
Bedingungen und segeln hart am Wind. Die Situation bessert sich leider nicht,
sondern der Wind nimmt stetig zu und auch die Wellen wachsen ganz ordentlich.
Außerdem ist unsere Besatzung bis auf Wolfgang nicht ganz seetauglich (
Näheres dazu unter : Geschichten ). Nik und ich schieben gemeinsam Wache und
wir haben ständig 6 Bft. Wind ( ca. 28 - 30 Knoten ) mit Spitzen bis 7. Das
wäre noch OK. Aber die Wellen sind zeitweise bis zu 3 Meter hoch. Wir können
unseren Kurs leider nicht wie geplant halten und landen anstatt in Gramvousa an
der Westküste, mit Müh und Not und Motorenhilfe in Rethymnon im Norden.
Allerdings ist das unserer Crew sicherlich egal wo wir anlegen - Hauptsache es
schaukelt nicht mehr.
Und so fahren wir weiter gegen den Uhrzeigersinn ( und auch gegen den Wind ) nach Chania, Gramvousa und wieder Paleochora. Da wir jetzt wiederum an der Südküste fast keinen Wind haben und auch unseren Gästen diese Gegend gut gefällt bleiben wir und verbringen noch ihre letzten Urlaubstage in dieser Bucht.