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Das Logbuch der S/Y-Independence

 

(Eintrag vom 15.10.2002)

 

 

01. Oktober 2002
Wir sind mittlerweile in Lindos auf der Insel Rhodos angekommen. Wir sind kurz nach 7 Uhr früh gestartet und hatten die ganze Zeit über tollen Wind. Von 65 Meilen sind wir 51 Meilen gesegelt. Es war einfach herrlich. Und das ganze bei wunderbarem Sonnenschein. Nach einem Tag baden und Sonne liegen fahren wir mit dem öffentlichen Bus nach Rhodos Stadt. Nachdem es in Lindos keine Zollbehörden gibt, müssen wir in der Stadt zur Passkontrolle und zum Zoll. Es war nicht gleich auf Anhieb zu finden. Aber wir hatten es nicht eilig und haben das ganze mit einem Stadtbummel verbunden. Die Herren von der Passkontrolle schienen recht kompetent zu sein - alles war nach kurzer Zeit erledigt. Dann zum Zoll. Die Dame konnte kein Englisch und ihr war auch nicht klar was wir von ihr wollten. Wir redeten schon fast mit Händen und Füßen um ihr klar zu machen, dass wir Griechenland verlassen werden und in die Türkei einreisen. Im Endeffekt füllte sie uns einen Zettel aus, den wir dann wiederum für den Hafenkapitän brauchten, und setzte eine entschuldigende Miene auf. Naja - wir hatten auf jeden Fall die notwendigen Papiere.
Am nächsten Abend brachen wir auf nach Kastellorizon. Es wird eine wunderbare Nachtfahrt. Wir haben bis 2 Uhr früh schönen Rückenwind sodass wir stets mit 7 Knoten Fahrt dahinbrausen. Ines hatte die Wache um 1 Uhr morgens übernommen. Es ist eine sternenklare aber mondlose Nacht. Ab 2 Uhr früh sah man über Israel ( lt. Peilung war es bei Tel Aviv ) ständiges Bombardement. Jedes Mal wenn eine Bombe ( oder Rakete - keine Ahnung) einschlug, sah man einen riesigen Feuerball.  Das ganze dauerte sicher bis 5 Uhr früh. Es war furchterregend.
Wir erreichten um 10 Uhr am Vormittag Kastellorizon und schliefen erst mal eine Weile bevor wir das "Ortschafterl" erkundeten.

Am nächsten Tag ging es dann weiter grade mal 4 Meilen nach Kas in der Türkei. Nachdem es Samstag war, waren die Behörden geschlossen und wir mussten das Einklarieren auf Montag verschieben. Wir hatten uns von diesem Ort eigentlich überhaupt nichts erwartet umso überraschter waren wir. Hier herrscht reges Treiben. Tourismus, der allerdings noch nicht ausartet wie andernorts. Die Paraglider landen direkt auf dem großen Platz im Hafen. Es wird Tandemspringen angeboten, aber da Nik und ich lieber in die Tiefe als in die Höhe gehen, haben wir uns für Sonntag zum Tauchen angemeldet. Es gibt hier unzählige Tauchschulen. Kas ist ein richtiges Tauchzentrum. Hier kann man über 30 verschiedene Plätze anfahren und das man ist nie länger als eine Stunde mit dem Boot dorthin unterwegs. Wir buchten eine Ausfahrt mit je einem Tauchgang am Vor- und am Nachmittag. Wir tauchten in einem Canyon, sahen ein Wrack, etliche Amphoren und eine Menge Fische. Darunter auch sehr große Zackenbarsche.  In der Mittagszeit gab es BBQ an Bord. Lecker.

Montag erledigen wir dann die gesamten Einreiseformalitäten. Nach einem verregneten Tag brechen wir am Dienstag auf zur Insel Kekova. Diese liegt unmittelbar vor dem türkischen Festland. Hier an der lykischen Küste gibt es haufenweise geschichtsträchtige Stätten. Zum Beispiel der Ort Kale. Wir marschieren den Hügel hinauf zu einer halb verfallenen Kreuzritterburg. Auf der Rückseite dieses Hügels stehen etliche Sakophage aus dem 1. Jhdt. v.Chr. Selbst wenn man mit dem Schiff zum Ankerplatz steuert muß man auch versunkene Mauern achten. Nur leider, wo antike Stätten sind sind auch Menschen die einem was verkaufen wollen. Und die sind hartnäckig. Es fällt einem nicht leicht unhöflich oder unfreundlich zu sein. Aber im Endeffekt geht es nicht anders denn sie verfolgen einen wirklich auf Schritt und Tritt und liegen einem ständig mit ihrem Kram in den Ohren.

09. Oktober 2002
Ebenso auf der Insel Kekova, jedoch auf der anderen Seite, laufen wir eine Bucht an. Diese liegt sehr versteckt zwischen spärlich bewaldeten Felsen und ist rundherum sehr gut geschützt. Es ist einfach wunderschön hier. Es liegen noch 2 - 3 andere Yachten hier. Und es ist still. Man hört keine Autos, man hört keine Flugzeuge, man hört überhaupt keine Laute menschlicher Zivilisation. Einzig die Ziegen meckern und die Vögel zwitschern und in der Nacht "lärmen" die Grillen. Selbst wenn ein Fisch aus dem Wasser springt ist das deutlich zu hören. Wundervoll.

13. Oktober 2002
Das Wetter ist sehr schön zur Zeit. Es ist immer noch recht heiß sodaß wir über jeden Windhauch froh sind. Der Wind ist allerdings eher flau. Wir segeln zwar ein paar Stunden von Finike in Richtung Kemer, dann schläft er jedoch wieder ganz ein. Hier an der türkischen Südküste stehen etliche große Hotels. Es herrscht noch reger Badetourismus. Das Wasser hat immer noch einladende 24° und die Luft bis zu 35° in der Sonne.
Wir sind mittlerweile in Kemer, unserem Winterdomizil, angekommen (da ja die Marinas in Zypern alle voll waren). Die Marina ist ziemlich voll und von den geschätzten 300 Yachten überwintern hier die Crews von ca. 40 Yachten. Für diese Leute, und so auch für uns, werden eine Menge Aktivitäten angeboten. Türkisch und Englisch Unterricht, Tennis, Aerobic, Wandern, Kino, Internet  ....... sieht aus, als ob uns nicht langweilig werden wird. Außerdem ist jeden Abend im Yacht Club "Happy Hour". Wir dachten, na das sehen wir uns mal an. Hier lernt man auch am ehesten die anderen Yachties kennen. Und siehe da, ich glaube, ALLE kommen zur Happy Hour. Wir wurden gleich zu einer Runde dazu gesetzt und vorgestellt. Hier sind Amerikaner, Engländer, Schweden, Spanier, Deutsche - und jetzt auch Österreicher. Ein multikulturelles Fleckerl.