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Mai 2007

Es ist der 29.April 2007. Wir machen alles fertig zum Auslaufen. Hier in Sivota haben wir unsere Independence wieder für die neue Saison startklar gemacht. Die Segel waren über Winter bei der Segelmacherin und jetzt sind alle Nähte verstärkt und der UV – Schutz erneuert worden. Ebenso war für die Sprayhood eine neue „Scheibe“ notwendig, denn UV und Wind haben die alte zerbröselt. Dann war es noch notwendig das Gasseil zu reparieren nachdem das alte gerissen war. Das passierte genau in dem Moment als wir das Schiff vom Winterplatz mittels Beiboot weggezogen haben und dann in den Hafen fahren wollten. Also, Gasseil gerissen, das heißt wir konnten uns nicht bewegen, die Segel waren noch in der Werkstatt und die neue Ankerkette lag noch im Auto. Und natürlich kam auch Wind auf, der uns, zwar langsam aber doch, in Richt-ung Land geblasen hat. Wir haben die Independence dann beim Beiboot längsseits genommen und in den Hafen geschleppt. Nochmal gutgegangen. Jetzt ist aber alles in Ordnung und es kann losgehen. Wir segeln gemütlich südwärts, verbringen ein paar Tage in Preveza, dann noch in Lefkas und in Sami auf Kephallonia besuchen wir noch Peter, einen Engländer, den wir letztes Jahr dort kennenlernten. Auf der Weiterfahrt zu den Strophaden haben wir sogar wieder mal einen Thunfisch gefangen. Hurra – ein Festschmaus. Weiter ging`s auf unserem Weg rund um den Peloponnes und in Porto Cheli besuchten wir Othmar und Marianne. Othmar war noch fest mit dem Umbau ihres Katamarans beschäftigt. Er hat die Rümpfe verlängert und das Cockpit vergrößert. Tolle Arbeit.

Das Wetter ist in diesem Jahr ziemlich schlecht. Wir haben immer wieder Winde aus Süd – was ja an sich nicht so schlecht ist. Allerdings ist diese Wetterlage immer mit vielen Wolken und Regen verbunden. Und es wird manchmal auch richtig kalt. Wir bleiben auch länger in Porto Cheli weil wir immer wieder auf besseres Wetter warten. Doch das ist vergeblich. Unseren Plan, noch in den Saronnischen Golf zu fahren, verwerfen wir denn es hört einfach nicht auf zu regnen. Und so segeln wir los in die Ägäis, in der Hoffnung, dass dort sich das Wetter bessern wird und die Regenwolken sich vielleicht doch nur über dem Festland stauen. Na, falsch gedacht. Wir sind jetzt seit einem Monat unterwegs und hatten in dieser Zeit genau 8 Sonnentage. Wir hören auch jeden Tag den Wetter-bericht von Österreich und dort ist es sonnig, heiß, trocken ...... na ja, wird auch hier noch werden.

Auf der Insel Kythnos gibt es Thermalquellen. Natürlich haben wir wieder Regenwetter und so marschieren wir eines Morgens los, bekleidet mit Badesachen und Regenjacke und nehmen ein herrlich warmes Thermalbad. Da läuft ein Bächlein ins Meer und dort ist mit Steinen eine kleine „Badewanne“ gebildet worden und darin kann man baden. Es ist schön heiß. Hier im Hafen liegt auch noch eine 2. österreichische Segelyacht. Maria und Thomas aus Graz mit ihrer Sunbeam 39 „Modesta“ .Wir freunden uns an und verbringen ein paar gemütliche Stunden und tauschen danach unsere Kontaktadressen aus. Und schon ein paar Tage später auf der Insel Tinos treffen wir uns wieder und wir laden sie zu uns auf ein gutes Moussaka ein. Es war sehr gemütlich, denn wir saßen von  16 Uhr bis um Mitternacht beisammen und haben gegessen und getrunken und geredet......es war sehr nett.

Hier auf der Insel Tinos wurde (angeblich) eine wundertätige Ikone gefunden und dafür eine große Wallfahrts- kirche erbaut. Immer wieder kommen Gläubige, speziell an hohen Feiertagen, hierher um zur Kirche zu pilgern. Ganz Reuevolle kriechen dazu auf allen Vieren (!)auf der Straße den Hügel zur Kirche hinauf. Für diesen Zweck wurde auf der Seite der Straße , neben dem Gehsteig,  ein laaaaaaaanger Teppich befestigt. Ja, die Religion treibt oft seltsame Blüten. Die Geschäfte, welche die Straßen zur Kirche säumen, bieten sämtliche heilige Utensilien zum Verkauf an, die man sich nur vorstellen kann. Aber die Stadt selbst macht einen lebhaften und schönen Eindruck, mit sehr vielen Kaffeehäusern und Tavernen aus denen sehr gut riecht.

Morgen heißt es für uns wieder mal früher aus den Federn denn es liegen über 60 Seemeilen vor uns zur Insel Chios. Der Wetterbericht sagt Wind voraus und so hoffen wir auf einen wunderschönen Segeltag. 

 

                            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Juni  2007

Jetzt ist endlich wieder mal schönes Wetter. Aber da man nicht alles haben kann, müssen wir zwei Drittel der Strecke bis nach Chios motoren. Wir verbringen eine Nacht in einer wunderschönen, sehr kleinen Bucht vor Anker und am nächsten Tag segeln wir weiter nach Chios Stadt. Man liegt recht gut mit Buganker und Heckleinen nur abends um halb sieben kommt eine Schnellfähre und die verursacht enorme Unterwasserströmungen. Das Boot marschiert nur so hin und her und vor und zurück. Aber es ist nichts passiert.  Am nächsten Tag geht`s  weiter auf die kleine Insel Oinoussa in den Hafen Mandraki. Es ist wunder-bar ruhig hier und wir machen an der Mole fest. Außer uns liegen noch 4 Franzosen hier. Und man vermutet nicht, dass es hier sogar draht-loses Internet zu empfangen gibt. Am Abend machen wir einen ausgedehnten Spaziergang, es geht sehr steil durch das Städtchen. Oben angelangt gibt es eine Strasse und da kann ich wieder mal ausgiebig laufen. Außer mir und Herden von Schafen und Ziegen verirrt sich niemand hierher.

Die nächst Insel, Lesbos, ist die drittgrößte Griechenlands. Wir wollen erst mal in den Hauptort, nach Mytillini, denn wir müssen , bevor wir Griechenland verlassen, noch mal voll tanken. Die Stadt selber gibt nicht soviel her, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass Samstag Nachmittag ist und alle Läden geschlossen haben.

Allerdings wird hier fleißig geheiratet, denn immer wieder fahren Autokonvois vorbei und hupen. Bei einem Rundgang durch die Stadt sehen wir auch die wunderschöne Kirche in der die Hochzeiten stattfinden. Wir bleiben nur eine Nacht hier denn am nächsten Tag geht es weiter nach Molivos, einen kleinen Hafen an der Nordwestseite von Lesbos. Hier erwarten uns schon alte Bekannte aus der Zeit, als wir in der Türkei überwinterten. Erstens die Schweizer Yacht Antonella mit Regula und Oskar an Bord. Die beiden kommen auch mit uns mit ins Schwarze Meer. Überraschender Weise liegen in diesem Hafen auch Susan und Bob mit der Yacht Meg. Die beiden Amerikaner aus Kalifornien waren während unserer beiden Winter in Kemer jeweils unsere Nachbarn und wir hatten eine sehr schöne Zeit miteinander. Na, das war ein Hallo. Es war schön, anzukommen und von vier strahlenden und gut bekannten Gesichtern empfangen zu werden. Wir verbrachten einige Stunden miteinander bei Kaffee und Kuchen und abends dann bei einem Gläschen Wein und erzählten uns alte Geschichten und natürlich auch sämtliche Neuigkeiten, die so in den letzten paar Jahren geschehen waren. Geschichten über Boote, welche verkauft wurden, Pärchen, die sich trennten,  Enkelkinder, welche das wegfahren schwer machten und natürlich über Pläne für die kommende Saison und wenn vorhanden auch über das weitere Leben. Nach ein paar Tagen gingen wir wieder auseinander mit lauter guten Wünschen und Vorsätzen und dem Ver-sprechen, miteinander in Kontakt zu bleiben und, falls man denn einmal nach Amerika bzw. in die Schweiz reisen wird, auch dort einen Besuch abzustatten. Lesbos war unsere letzte Station in Griechenland denn die nächste Insel, Boscaada, gehört schon zur Türkei. Dort treffen wir mit den anderen beiden Booten, welche mit ins Schwarze Meer kommen, zusammen und dann ist unsere rot – weisse (die Schweizer brüsten sich ja damit, dass sie ein Plus und wir ein Minus in der Flagge haben)  Flotte vollzählig versammelt. Zunächst einmal motoren wir die meiste Zeit und zu guter Letzt fängt es auch noch an zu regnen. Am stärksten natürlich, als es zum Anlegen in Boscaada ist und wir alle beide raus müssen. Aber was soll`s – Segeln ist ein Wassersport. Antonella und wir sind schon mittags dort und Sabine und Hannes mit der Cayenne sowie Trude und Günther mit der Second Lady gesellen sich am Abend zu uns. Auch sie hatten eine nasse und anstrengende Überfahrt und jetzt heißt es erst mal, die Türkei zu beschnuppern. Geld wechseln, sich an die fremde Kultur langsam zu gewöhnen und natürlich auch die nächste Etappe unserer Reise die Dardanellen bis nach Canakkale zu besprechen. Am nächsten Morgen geht es erst noch auf den Markt um frisches Obst und Gemüse einzukaufen, dann legen wir ab und los geht die Reise. Wir haben relativ starken Nordostwind, genau auf die Nase und so motoren wir und hoffen dann in den Dardanellen segeln bzw. aufkreuzen zu können. Denkste, der Wind legt zu, wir haben bis zu 30 Knoten, die Strömung beträgt manchmal sogar bis zu 3,5 Knoten gegen uns und außerdem zieht wieder ein ordentliches Gewitter über uns weg. Also, was soll`s, wir motoren und sind dann heilfroh, als wir endlich in Canakkale anlegen können. Alle vier Boote finden Platz in dieser sogenannten Marina. Der Schutz ist sehr gut und so liegen wir noch einen Tag hier und genießen den Luxus von drahtlosem Internet an Bord. Am zweiten Tag machen sich Nik, Günther und Hannes auf den Weg um in die Türkei einzu-klarieren. Sie machen sich um 9 Uhr morgens auf den Weg und kommen erst um 15 Uhr nach Hause zurück. Die Bürokratie hat uns wieder. Die Behördenwege hier sind Irrwege und trotz hilfreichem Agenten, einem jungen Studenten, welcher sich ein bisschen Zubrot verdient, reitet der Amtsschimmel hier auf Wegen, die er, so macht es zeitweise den Anschein, selber noch nie  gegangen ist. Aber irgendwann ist alles erledigt und als dann auch noch der Himmel aufklart und sich die Sonne zeigt, ist alles wieder in Butter und wir sind auf der Antonella zum Sundowner. Hier stellt sich auch heraus, dass wir auf unserer Reise einiges zu feiern haben. Es gibt drei Geburtstagskinder – Trude und Oski im Juni und dann noch Hannes im August. Trudes Geburtstag noch dazu in ein paar Tagen und wir beschließen noch hier in Canakkale, zwar vor Anker und nicht in der Marina, zu bleiben. Auch hier ist Markt und es ist immer wieder erstaunlich, wie gut das Obst und Gemüse hier schmeckt. Wir decken uns natürlich wieder mit Erdbeeren und Marillen ein und schon wird alles zu Marmelade verkocht. Sie ist wieder lecker geworden. Sabine und ich finden auch Zeit um endlich wieder mal laufen zu gehen. Das ist aber leichter gesagt als getan. Wir suchen uns einen Weg am Kai endlang und dann durch ein „Glasscherbenviertel“. Na super, beide sind wir froh, hier nicht alleine joggen zu müssen. Aber die Menschen hier sind sehr freundlich und sie feuern uns an und es dauert nicht lange da haben wir eine Schar junger Burschen um uns versammelt, die unter lautem Gelächter mit uns ein Stück mitlaufen. Ich nahm mal an, die sehen nicht jeden Tag joggende Mädels hier vorbeikommen. Wieder zuhause wurde eine Geburtstagstorte gemacht, dann am Nachmittag musste Nik zum Zahnarzt, weil er sich einen Zahn ausgebissen hat und abends ging`s an Bord der Second Lady zur Geburtstagsfeier. Trude hat uns toll verköstigt und wir hatten dann auch keinen Durst mehr als wir heimfuhren. Nach ein paar Ruhetagen fuhren wir weiter die Dardanellen hinauf bis nach Gelibolu. Der Wind war gut, die Richtung auch und so konnten wir den Großteil der Strecke segeln. Allerdings sind in den Dardanellen sehr viele Großschiffe unterwegs und die haben Vorrang. Da wir aufkreuzten, mussten wir immer wieder von einer Seite , also von Europa, auf die andere, also Asien. Wir waren zwar ständig auf der Hut aber es war trotzdem kein Problem diese Schifffahrtsstrasse hinauf zu segeln. Dabei kamen wir so manchem Frachter ziemlich nahe, aber die Kapitäne waren sehr freundlich und zuvorkommen und machten sogar Platz für uns um uns dann auch noch freundlich mit beiden Armen zuzuwinken. Außerdem haben wir wieder mal nach langer Zeit, Delphine zu Gesicht bekommen. Es war ein schöner Tag und die Nacht verbrachten wir vor Anker vor der Stadt Gelipolu. Gleich am nächsten Tag segelten wir weiter zur Insel Marmara, welche dem Meer den Namen gibt. Wir hatten 46 Seemeilen vor uns und 33 davon konnten wir wiedermal segeln. Nach langer Zeit konnten wir wieder mal unseren Blister (extra großes Leichtwindsegel) setzen.

 

Die Insel Marmara ist bis nah an die Küsten sehr gebirgig und der gleichnamige Ort liegt gut geschützt und und von hohen Bergen umgeben auf der Südwestseite der Insel. Da es nicht allzu viele andere Segelboote hier gibt finden wir alle einen guten Platz längsseits im Hafen. Wir legen wiedermal einen Tag Pause ein. Dieser wird von manchen zu längst fälligen Arbeiten genutzt und von Sabine und mir, wieder mal um zu laufen. Aber wie es halt auf einer gebirgigen Insel so ist, es geht bergauf und es ist heiß..... aber man hat einen tollen Blick über das Marmarameer. Ja und abends gibt`s dann wieder mal einen Sundowner auf der Independence. Als nächstes laufen wir den Hafen Cayagiz, auf der Nordseite des türkischen Festlandes an. Hier fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Außer dem Muezzin rührt sich hier nichts. Die Menschen sind extrem freundlich und überall wo wir vorbei-kommen werden wir mit einem herzlichen „Hallo , wie geht`s, willkommen“ em-pfangen. Das Landschaftsbild ist geprägt von Bergen, Wäldern, kleinen Häuschen viel Grün und Esel, welche neben kleinen Bächen grasen. Am nächsten Morgen fahren wir schon um 5 Uhr 45 weiter, besser gesagt, Nik fährt, denn ich darf in solchen Fällen immer noch weiter schlafen und wenn ich dann aus den Federn komme, gibt`s ein gutes Frühstück. Das Wetter ist schlecht, rund um uns blitzt und donnert es aber wir haben Glück und es erwischt uns kein Regen. Der nächste Hafen, Esenköy, liegt 25 Seemeilen von Istanbul entfernt und es gibt eine Fährver-bindung dorthin, welche wir am nächsten Tag natürlich gleich mal nützen. Wir liegen lieber weiter von Istanbul entfernt, denn aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es erstens recht schwer ist einen Platz in den Marinas zu bekommen, diese unverschämt teuer sind, und außerdem die Wasserqualität so schlecht ist, dass es an den Liegeplätzen regelrecht stinkt. Hier im Hafen gibt es einen netten jungen Mann, welcher englisch, italienisch und französich spricht. Mit ihm plaudere ich eine Zeit lang und danach ist unser Liegeplatz schon ein bisschen billiger, außerdem will er ganz besonders auf unsere Schiffe aufpassen während wir nach Istanbul fahren.

Der Tag in Istanbul ist wiederum sehr heiß, es ist Samstag und dementsprechend viele Leute sind unterwegs. Nichts destotrotz ist es eine enorm interessante Metropole und wir verbringen den Tag damit, dass wir einfach ganz gemütlich umher-flanieren und uns ein paar Sehenswürdigkeiten ansehen. Da wir schon einmal hier waren, legen wir weniger Wert auf Kultur als auf  das Stadtleben selber. Antonella und Second Lady sind  schon weiter gefahren und warten im nächsten Hafen auf uns und wir und Cayenne bleiben noch, relaxen,  putzen unsere Schiffe und legen heute noch einen Spieleabend ein. Wir werden noch einige Tage in der Gegend um Istanbul bleiben, eventuell noch mal in die Stadt fahren, wieder mal einen Geburtstag feiern und abwarten bis das Wetter günstig ist um alle zusammen  ins Schwarze Meer zu starten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Spieleabend in Esenköy hat sich wieder einmal ausgezahlt. Sabine hat uns bekocht mit Hauptspeise und Nachtisch und danach begannen wir mit „Nobody is perfect“ und haben dazu, um ein bisschen  kreativ zu sein, zwei Fläschchen Wein gelehrt. Danach noch ein paar Runden „ Trivial Pursuit“ – und Hannes und ich hatten wieder mal gegen Sabine und Nik keine Chance (Tschinnellin !!!). Es wurde ein sehr lustiger und vor allem langer Abend.

Am nächsten Tag machten wir noch die nötigsten Einkäufe in Esenköy und dann segelten wir weiter zu den Prinzeninseln. Die dienten schon in alten Zeiten den Sultanen und diversen Herrschern als Feriendomizil vor der Haustüre, und sie sind es auch heute noch. Nachdem  die Istanbuler ein segelbegeistertes Volk ist, haben sie natürlich Boote, so wie wir einen Zweitwagen, und dann ist es für sie nur ein Katzensprung raus aus der Großstadt und rein in die Inselidylle. Aber aus eben diesem Grund sind die Marinas hier in der Gegend heiß begehrt. Kaum wird eine neue Marina gebaut ist sie auch schon wieder überfüllt mit Dauerliegern und nur wenn diese raus gehen zum segeln, oder mit der Motoryacht unterwegs sind, hat man als Fremder Chancen auf einen Liegeplatz. So war es dann auch bei uns und wir verbrachten eine Nacht in der Marina Fehnerbahce auf der asiatischen Seite von Istanbul und hier haben wir auch Oskar`s Geburtstag gefeiert. Am nächsten Tag, nach dem Ausschlafen, stand der Bosporus auf dem Programm. An Istanbul vorbei herrscht enorm viel Verkehr. Sämtliche Tanker und Frachtschiffe die ins Schwarze Meer vollen, müssen hier durch eine relativ enge Wasser-strasse durch, dazu kommt der regionale Fährverkehr, dann noch die Ausflugsboote , Kreuzfahrtschiffe, Motorboote und natürlich wir Segler. Da gibt es Situationen die schon mal das Adrenalin im Blut ansteigen lassen. Aber im Grossen und Ganzen ist es ein wunderschönes Erlebnis und dann motort man den Bosporus in Richtung Norden gegen Wind und Strömung und kann am Ufer die herrlichen Paläste aus alten Tagen sowie traumhaft schöne Villen der neueren Generation besichtigen. Kurz vor dem Schwarzen Meer liegt noch der Ort Poyraz mit einem sicheren Hafen. Hier verbringen wir noch die letzte Nacht bevor wir am 21. Juni um  6 Uhr morgens in Richtung Bulgarien starten. Früh am morgen (ich liege natürlich noch im Bett, denn Nik lässt mich weiterschlafen) müssen wir natürlich motoren, doch am  Vormittag kommt Wind auf und wir können die Segel setzen. Wir haben unwahrscheinliches Glück, der Wind ist richtig sowohl von der Stärke als auch von der Richtung, nämlich aus Südost, also achterlicher Wind. Komischerweise kommen die Wellen jedoch aus Nordost und so liegt das Schiff zwar ein bissl unruhig , aber was soll`s, alles ist besser als motoren. Sogar in der Nacht bleibt er uns erhalten und wir segeln, bis auf zwei Stunden, die ganze Nacht durch und laufen morgens um 7 Uhr in den Hafen Burgas in Bulgarien ein. Wir machen uns schon auf eine lange Prozedur beim Einklarieren gefasst, denn schließlich haben wir das ja schon einmal im Jahr 2004gemacht, aber siehe da, EU sei Dank, wurden die Vorschriften stark gelockert und nach einer Stunde haben alle vier Boote einklariert. Ebenso muss man nicht mehr um jeden Hafen ansuchen und ein Permit bezahlen, sondern kann sich frei bewegen und man bezahlt nur mehr die Marina bzw. Hafengebühren.

Antonella, Cayenne und wir bleiben im Hafen Burgas liegen und Second Lady verholt sich, wegen Ratten-sichtung (allerdings tot im Wasser treibend) in die nächste Marina 20 Meilen nördlich von hier. Das Anlegemanöver war ein riesiges Theater. Bei uns war es windstill und wir waren bald festgemacht, doch bei den anderen beiden hat es wie auf Kommando begonnen zu blasen, ein Gewitter ist über uns drübergezogen, und wir alle hatten alle Hände voll zu tun um die beiden Boote festzumachen. Als jeder gut vertäut im Hafen lag hörte auch der Wind wieder auf, die Sonne kam zurück und alles war wieder in Butter. Und heiß.... Wir schliefen erst mal ein paar Stunden, denn die Nacht war recht kurz, und dann erkundeten wir die Stadt. Auch am nächsten Morgen ging`s nach einem ausgedehnten Frühstück und die Stadt zum bummeln, Kaffee trinken in der schattigen Fussgängerzone, einkaufen und Leute beobachten. Ja, uns so geht der Tag dahin bis wir erst wieder um 8 Uhr abends auf unsere Boote zurückkommen. Gegessen wird auswärts, denn erstens ist die bulgarische Küche sehr schmackhaft und zweitens so preiswert, dass es sich meist nicht auszahlt, den eigenen Ofen anzuschmeissen. OK – kein Widerspruch der Küchenchefin. Später am Abend zog dann ein Gewitter auf. Erst hat es rundherum geblitzt und gedonnert und plötzlich ging es los. Von lauer Brise zum Sturm in einer Minute und dieser Wind trieb, da Burgas ein großer Hafen mit vielen Frachtkähnen ist, eine riesige Staub- bzw. Schmutzwolke vor sich her. So schnell konnte ich die Fenster gar nicht schließen, als dass unter Deck schon trübe Luft war. Kaum waren die Fenster zu hat es auch schon begonnen zu schütten und auch zu hageln. Gott sei Dank haben wir hier eine Mouring, denn ob der Anker das ausgehalten hätte, da haben wir so unsere Zweifel. Uns hat es allerdings dermaßen zur Seite gedrückt, dass wir mit dem Heck  grade noch an der Hafenmauer touchiert sind. Aber es ist fast nichts passiert und wir starteten den Motor und während des ganzen Gewitters, das eine gute halbe Stunde gedauert hat, gaben wir ordentlich Vorwärtsschub um das Boot vom  Kai weg zuhalten . Danach war das Boot russig schwarz und wir haben noch in der Nacht begonnen mit dem sauber machen. Ich habe noch die Betten überzogen, den Boden aufgewischt und sämtliche Flächen abgewischt um diesen Schmutz rauszukriegen. Dann kam der Blick in den Spiegel –sogar mein Gesicht war schwarz und mit den Fingern kam ich gar nicht mehr durch meine Haare durch. Also ab in die Dusche – war das ein schwarzes Wasser. Ja und um halb zwei Uhr nachts fielen wir müde in die Betten. Am nächsten Tag sah man erst was alles schmutzig ist und weiter ging`s mit putzen und waschen.

Am Montag fuhren wir dann mit dem klimatisierten Linienbus in die bulgar-ische Hauptstadt Sophia. Wir waren 6 Stunden unterwegs und der Bus legte grade mal eine halbstündige Pause ein. Ursprünglich wollten wir uns ein Auto mieten aber erstens war der Bus sehr günstig und zweitens brauchten wir in Sophia selber kein Auto. An unserem Ziel angekommen machten wir uns gleich auf die Suche nach einem Hotel und wir folgten einem Plakat, welches vor dem Busbahnhof aufgestellt war. Nach 10 Minuten waren wir da, Zimmer waren frei, der Preis in Ordnung und schon haben wir eingecheckt. Die Lage des Hotels ist sehr gut, wir haben nur 20 min. Fußweg und sind schon mitten im Zentrum. An eine Sache müssen wir uns erst gewöhnen. Wenn die Bulgaren „ja“ sagen dann schütteln sie den Kopf, genau so wie wenn wir „nein“ deuten. Also erst mal die Frage, ob jemand englisch spricht und als Antwort wird der Kopf geschüttelt. Ist schon komisch, das als Zustimmung deuten zu können. Sophia ist eine Großstadt mit 1,1 Millionen Einwohnern und die Innenstadt ist wunder-schön, sauber und gepflegt. Zu besicht-igen gibt es hauptsächlich Kirchen und Denkmäler aber auch die Einkaufsstraßen und Shoppingmalls bieten so einiges. Zwischendurch ist durch die vielen Straßencafes und Restaurants natürlich auch gut für unser leibliches Wohl gesorgt. Nach 3 Tagen Großstadt mit Temperaturen um die 35° C hatten wir genug und fuhren wieder nach Burgas, wo unsere Schiffe inzwischen erneut verdreckt, schließlich lagen wir in einem großen Industriehafen, sicher vertäut lagen. Nach einer ordentlichen Wäsche segelten wir dann am nächsten Tag weiter nach Pomorie. Das ist ein quirliger Ferienort und in der Nähe gibt es ein Weingut, welches wir auch besichtigen wollten. Leider wussten wir keinen Namen und so mussten wir uns auf einen Taxifahrer verlassen, welcher uns angeblich zum Weingut „Black Sea Gold“ bringen will. Er hatte auch eine Visitenkarte und rief dort an um uns für nächsten Tag anzumelden. Naja, klang ja recht vielversprechend und er war mit einem Kollegen auch dann zur vereinbarten Zeit zur Stelle. Nur leider brachten sie uns zum Weingut „Bojar“ – ok, wäre auch kein Problem, doch dort war das Restaurant für eine große Gruppe (nicht für uns 8 Hansln) reserviert und es war nicht möglich in dem doch recht großen Anwesen für uns noch einen Tisch aufzutreiben. Das Weingut war staatlich geführt – na ja. Nur nicht zuviel Aufwand. Also fuhren wir zurück in die Stadt, gingen in ein Restaurant und kosteten dort die Weine unserer Wahl gleich flaschenweise. Auch gut. Wurde doch noch ein sehr netter Abend. Die Weine hier sind sehr günstig bis billig, es sind aber auch keine dabei, wo wir sagen würden, pfoah, den müssen wir haben. Da sind wir in Österreich mit unseren Qualitäten schon Besseres gewohnt. Aber man will sich ja nur weiterbilden.....

Tags darauf hatten wir angenehmen, leichten Segelwind und wir segelten südwärts nach Tsarevo wo wir glaubten, noch nie gewesen zu sein. Aber als wir durch die Stadt marschierten hatte ich immer das Gefühl, hier schon mal gewesen zu sein. Und so war es dann auch. Nach einem prüfenden Blick in unser Logbuch aus dem Jahr 2003 wussten wir es wieder. Ja, wenn man so viele verschiedene Orte besucht, kann einem schon der eine oder andere aus dem Gedächtnis verschwinden. Der nächste Ort, Sozopol, lag wiederum 18 Meil-en nördlich. Es ist ein sehr schönes, kleines Städtchen mit den typischen Schwarzmeer  - Häuschen, unten Beton und oben Holz. Und hier war es schon gewaltig touristisch. Alles voll Standln mit Kitschwaren und Andenken, und in den Kaffeehäusern zahlt man das dreifache für alles, sei es nun für einen Espresso oder für ein Stück Torte. Und die Qualität lässt schon mal zu wünschen übrig, also hier kann man sich richtig als Tourist fühlen, im negativen Sinne. Aber , für uns kein Problem, wir gehen halt nicht auswärts essen sonder wir packen unsere Siebensachen, fahren mit dem Dingi an den Strand, die Männer bauen eine Feuerstelle wir Frauen bereiten Salate vor und wenn alles fertig ist wird gegrillt. Das hat wunderbar funktioniert, man sieht wiedermal, dass der Mensch doch noch Verhaltensweisen aus der Steinzeit mit sich trägt, denn die Feuerstelle war erste Sahne und unser vorbereitetes Essen war nicht von schlechten Eltern. Es wird ein richtiger Spaß und es wird sogar lautstark gesungen. Und natürlich haben wir auch das eine oder andere Flascherl Wein dazu getrunken, und weil wir ja nie genug kriegen können, fuhren wir am Heimweg noch auf einen „Absacker“ auf die Cayenne. Allerdings liefen wir dann am nächsten Tag nur noch auf 3 Zylindern, muss wohl am bulgarischen Wein gelegen sein. Wir erledigten die Wäsche, welche aus der Wäscherei abzuholen war und sonst wurde aber an diesem Tag nichts gemacht außer geruht. Oski hat sich bei Nik am nächsten noch beschwert, dass er ihm, wenn er die beiden des nachts schon mit dem Dingi heimbringt, auch sagen muss, dass er sein Beiboot auch anbinden soll. Und so kam er morgens zu einem unfreiwilligen Bad denn das Dingi war schon zum Strand getrieben und wir anderen waren alle noch im Bett und außerdem außer Rufweite – so musst er halt schwimmen.

 

Wir segelten dann weiter nach Nessebar. Uff, hier sah man vor lauter Touristen schon keine schönen Häuser mehr. Das war vor vier Jahren schon ein Touristenort, aber jetzt hat es bereits gewaltige Ausmaße erreicht. Hier können wir die erste Nacht vor dem Strand ankern und außer einer Disco stört nichts unsere nächtliche Ruhe. Allerdings dreht der Wind und ist im Laufe des nächsten Tages auflandig sodass wir in das Hafenbecken flüchten und dort ankern. Naja, auch nicht das Gelbe vom Ei, aber doch deut-lich ruhiger. Von Nessbar geht es dann weiter über Byala, wo wir leider wieder dem Wellengang ausgesetzt sind, sodass wir bald wieder den Anker aufholen, nach Varna. Das ist eine große und moderne Stadt und auch hier gibt es enorm viel Tourismus. Wir wundern uns immer wieder, dass die Menschen hier baden. Denn das Wasser sieht nicht nur trübe und braun aus, sondern es stinkt auch. Hinter uns, am Customspier, liegt eine riesengroße Motoryacht und ein Mann davon spricht uns an. Mohammed, aus Saudiarabien, hat mit seinem Freund das Schiff seines Cousins gechartert und ist damit im Schwarzen Meer unterwegs. Er lädt uns auf ein Gläschen ein und wir sind ganz begeistert von dieser Yacht. Wir sitzen im riesigen Salon, vor uns ein großer Fernseher, die Bar und über uns im Cockpit sitzen der Kapitän und die Crew. Wir besichtigen dann noch die Küche und die spielt alle Stückerl. Nebenbei ist dort auch noch ein Esstisch für 12 Personen untergebracht. Da ließe es sich leben. Am nächsten Tag segeln wir mit unserer Independence wieder weiter nach Baltschik. Der letzte Ort, den wir in Bulgarien besuchen. Wir liegen an einer Betonpier in der sogenannten „Marina“, die allerdings erst noch gebaut werden muss. Allerdings verlangen sie schon die Preise einer fertigen Marina. Wir liegen vor Buganker mit dem Heck zum Pier und in der Nacht ist starker Schwell aufgekommen. So fahren wir ordentlich vor und zurück. In einem günstigen Moment versucht Nik mit der Pasarella an Land zu kommen doch er hat sich leider verschätzt und fällt mitsamt Kleidung und Pasarella ins Wasser. Gott sei Dank hat er sich nur ein paar Schrammen und Abschürfungen geholt, denn das hätte weit schlimmer ausgehen können. Wir haben ihn dann wieder trocken gelegt und das Geld , welches in seinem Hosensack samt Geldbörse war, zum trocknen in die Sonne gelegt. Nochmal gut gegangen. Baltschik hat uns allen sehr gut gefallen und hier fanden wir auch die netteste, jüngste und herzlichste Kellnerin von ganz Bulgarien. Es war eine schöne Zeit in diesem Land und nach dem gut organisierten Ausklarieren am nächsten Morgen segeln wir weiter nordwärts und sind schon gespannt, was es in Rumänien für uns zu sehen gibt.

 

 

 

Die 46 Seemeilen nach Mangalia in Rumänien waren recht anstrengend denn wir hatten starken Wind, ungute Wellen und obendrein noch Gewitterregen. Wir waren froh, als wir nach 10 Stunden Fahrt ankamen. Leider hatten unsere Schweizer nicht so viel Glück. Es gab Probleme mit dem Motor, er ließ sich einfach nicht mehr starten und so wurden sie von der Cayenne, die noch ganz in der Nähe von ihnen war, die letzten Meilen abge-schleppt. Es stellte sich dann heraus, dass es kein allzu großes Problem war denn es war einfach der Dieselfilter verstopft, der wurde gereinigt, und die Maschine lief wieder. In Mangalia erledigten wir wieder alle Formalitäten zum Einklarieren, das hat insgesamt vielleicht eine halbe Stunde gedauert und schon waren wir offiziell in Rumänien. Es macht doch eher einen Ostblock – Eindruck als Bulgarien. Wir konnten uns mit dem Land noch nie besonders anfreunden, außer dass alles sehr billig war konnten wir nicht wirklich etwas drüber berichten. Aber das hat sich geändert, denn die Preise in den Restaurants sind , seit wir das letzte mal vor 4 Jahren dort waren, um ein vielfaches gestiegen. Für uns natürlich immer noch günstig aber für rumänische Verhältnisse sehr teuer.

Die Menschen dort waren sehr Foto – gierig. Immer wieder stand jemand vor den Schiffen und lies sich fotografieren. Manche setzten sich auch auf die Reling und einige fragten auch , ob sie an Bord kommen dürften um ein Foto zu machen. Wir legten einen Tag Pause ein und dann fuhren wir weiter nach Constanza. Der Hafen ist recht schön und auch die Stadt ist groß und modern, aber trotzdem bleibt es für uns nur ein Durchreisehafen denn am nächsten Tag um 17 Uhr abends brachen wir wieder auf und fuhren weiter nach Sulina ins Donaudelta. Wir hatten eine traumhafte Nachtfahrt und konnten von den  100 Seemeilen sogar die Hälfte davon segeln. Im Donaudelta blieben wir zwei Tage und machten eine Rundfahrt mit einem Motorboot. Mit unseren Segelbooten wäre das unmög-lich, denn die Wasserwege im Delta sind sehr seicht und wir haben 2 m Tiefgang. Zu sehen gab es dort jede Menge an Vögel, darunter auch Pelikane, und unzählige kleine Frösche die auf den Blättern der Seerosen umher sprangen. Bis auf das Quaken, Zwitschern und Platschen wenn die Fische aus dem Wasser sprangen und dem Rauschen des Windes in dem allgegenwärtigen Schilf, war nichts zu hören. Die absolute Stille. Ein Paradies für Naturliebhaber. Unterwegs trafen wir auch auf einen Fischer, der mit seinem alten und sehr maroden Ruderboot zu seinen Fanggründen unterwegs war. Der Kapitän unseres Bootes nahm in kurzerhand in Schlepptau und der Fischer war die ganze Fahrt hindurch damit beschäftigt, sein kleines und undichtes Boot mit einem Plastiktopf auszuschöpfen. Doch die Fahrt hat sich für ihn gelohnt, denn am Zielort angekommen sahen wir ihm noch zu wie er seine Reusen ins Boot holte und da waren doch einige fette Brocken drinnen.  Theoretisch hätten wir hier in einem Seitenarm der Donau natürlich auch baden können und einmal waren wir auch schwimmen, aber am nächsten Tagen sahen wir dann erst, wie viele Schlagen sich da drin tummeln und da war uns dann auf einmal doch die Lust dazu vergangen. Es war verdammt heiß in diesem Delta und so entschlossen wir uns nach 2 Tagen weiter zu fahren, in Sulina auszuchecken und Kurs auf Odessa, Ukraine zu nehmen. Wieder waren es 100 Seemeilen, das heißt wiedermal eine Nachtfahrt dabei, doch leider wurde diesmal die ganze Zeit motort. Die Nachtfahrten laufen bei uns so ab, dass der erste der müde wird so gegen 22 Uhr ins Bett geht und versucht vorzuschlafen. In diesem Fall war es Nik und ich machte es mir an Deck gemütlich. Es war , wie meistens hier, kein Verkehr und so schaltete ich den Laptop ein und sah mir eine DVD an. Inzwischen drückte ich natürlich immer wieder auf die Pause Taste um die Lage zu peilen. Ja, auch so kann man eine Nachtfahrt kurzweilig gestalten. Nik löste mich dann so gegen 2 Uhr früh ab und ich übernahm dann wieder gegen halb sechs. Und so verging die Zeit und um 9 Uhr morgens waren wir im Hafen von Odessa angekommen. Man muss sich schon 12 Meilen vor der Küste bei der Küstenwache melden, die antworten zwar nicht immer, weil sie vielleicht grad keinen im Dienst haben, der englisch spricht, aber nach einer Zeit finden sie dann jemanden und der ruft zurück. Sie fragen dann nach der Flagge, wie viel Besatzung an  Bord ist und nach dem woher und wohin. Dann wird man an die Portcontrol weiter verwiesen, die erlauben einem dann in den großen und sehr betriebsamen Hafen einzulaufen und zu guter Letzt funkt man noch die Marina an und das Personal weist einem dann einen Platz zu und hilft beim Anlegen. Soweit so gut. Dann sind die Behörden dran, die standen schon auf dem Steg als wir ankamen und es war einen Unmenge an Papierkram zu erledigen. Aber auch das war bald überstanden und bevor wir abends in die Stadt marschierten machten wir noch ein wohl-verdientes Schläfchen. Wenn man vom Hafen aus in die Stadt Odessa möchte muss man erst über 192 Stufen marschieren, die berühmten Potemkin Stufen und das bei Temperaturen von 35 bis 38 °C.  Aber so ist halt auch für unsere Fitness gesorgt. Odessa ist eine quirlige, moderne und wunderschöne Stadt in der sich abends alles in der Fussgängerzone zum Flanieren trifft. Hier reiht sich auch ein (Touristen-) lokal ans andere. Allerdings sind hier nach wie vor hauptsächlich Ost-Touristen unterwegs. Englisch oder gar deutsch hört man eher selten. Ein Highlight unserer Reise wäre der Besuch einer Vorstellung in der  Oper von Odessa gewesen doch leider wird diese zur Zeit gerade renoviert und so konnte man sie nur von außen betrachten. Schade, denn als wir vor vier Jahren hier waren, sahen wir eine wunderschöne „La Traviata“.

Wir machten uns auch auf den Weg zum täglich geöffneten Markt. Hier ist einiges los. Kaufen kann man alles von Obst und Gemüse über Fleisch und Fisch bis zu Toiletteartikeln und Kleid-ung. Und das ist auch noch alles kreuz und quer angeordnet sodass neben den stinkenden Trockenfischen auch gleich T-shirts verkauft werden. Nicht für jede Nase ratsam aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Eines abends werden wir in der Fuzo von zwei Mädels ange-sprochen sie machen eine Zeitschrift in Odessa und suchten für diesen Zwecke Fremde, die sich mit ihrem Zeitschriften Logo vor berühmten Plätzen fotografieren lassen. Natürlich haben wir zugesagt und so wurden wir für ein Modemagazin abgelichtet (aber sicher nicht weil wir so supermodisch gekleidet waren, sondern weil wir eben Fremde waren). Mittlerweile hatten wir hier auch schon ein Lieblingslokal auserkoren. Man saß im Freien an kleinen Tischchen und schaute in den wunderschönen, gepflegten mit hohen Bäumen und vielen Blumen ausgestatteten Park in dem sich sehr viele Menschen tummelten. Das Essen war zwar für ukrainische Verhältnisse teuer aber dafür hat es ausgezeichnet geschmeckt. Ich habe mich auch schon mit der Hauskatze angefreundet oder besser gesagt, diese sich mit mir, denn sie hat meinen Schoss zu ihrem absoluten Lieblingsplatz ausgewählt. Über die Katze konnte ich mich auch mit dem kleinen ukrainischen Jungen, Jaruslav, unterhalten. Er sprach ein klein wenig englisch und wenn er mir irgendetwas ganz wichtiges sagen wollte, lief er vorher zu Papa und fragte wie das auf englisch heißt und dann kam er zurück und hat es mir gesagt. Wir blieben eine Woche in Odessa und dachten , dass die Formalitäten beim Auslaufen aus dem Hafen sicher ganz einfach wären und haben uns darin aber gewaltig geirrt. Die Bürokratie hat seit unserer letzten Reise um einiges zugenommen. Es ist zeitweise unglaublich, was die alles von einem wissen wollen und kopiert haben wollen. Eine Crewliste für die Zöllner und eine in Reserve, eine für den Hafenmeister und für das Marinabüro und Kopien der Schiffspapiere und der Versicherung und mit wie viel Diesel im Tank man reingekommen ist, wie viel man mitnimmt und, und, und.

Antonella und wir fahren schlussendlich weiter in Richtung Sevastopol und haben 170 Seemeilen vor uns. Es gab zwar ziemliche Wellen aber trotzdem auch tollen Wind und so konnten wir von der Strecke 120 Meilen segeln. Es war herrlich. Cayenne und Second Lady blieben noch in Odessa denn die einen hatten einen Motorschaden der noch repariert werden musste, und die anderen ließen sich vom Segelmacher noch einige Dinge schneidern und so waren sie noch länger beschäftigt. Der nächste Treffpunkt für uns alle acht wurde dann für Sevastopol festgelegt.

Es wurde wieder einmal eine tolle Etappe mit viel achterlichem Wind und wir sind die meiste Zeit nur mit dem Vorsegel dahin gesaust. Die Liegeplätze in Sevastopol sind rar obwohl es in einer riesen-großen Bucht gelegen ist. Doch die Nordseite darf nur von der Marine genutzt werden und so drängt sich alles auf die Südseite. Wir finden einen Platz im Yacht Club Admiral, ehemals der Russian Navy Yacht Club. Der Manager und sein Gehilfe sind außerordentlich freundlich und hilfsbereit und sie pferchen uns sogar in ihr kleines Auto und bringen uns zu den Behörden. Allein diese zu finden wäre für uns schon eine große Aufgabe gewesen. Hier läuft bis jetzt alles sehr unbürokratisch. Wir bringen eine Crewliste mit Stempel und Unterschrift  dorthin und das war`s dann auch schon – mal sehen, ob es auch so leicht ist hier auszuklarieren. Wir haben beschlossen den Rest der Krimschen Küste auf dem Landweg zu besichtigen. Und auch hier ist der Yachtclub wieder sehr hilfreich und Sergey der Manager organisiert uns ein klimatisiertes Taxi welches uns bis nach Yalta bringt bzw. zu den von uns gewünschten Sehenswürdigkeiten auf dem Weg dorthin. Und so besichtigen wir die in exponierter Lage gebaute Kirche von Foros. Eine Legende besagt, dass der Tochter eines Grafen die Pferde durchgegangen sind und diese genau an dieser Stelle wie durch ein Wunder angehalten haben bevor sie den Abhang hinuntergestürzt wären. Aus Dankbarkeit lies dieser Graf die Kirche erbauen. Weiter ging es dann zum Voroncov Palast in Alupka. Voroncov war ebenso wie Pontemkin nach dem die große Treppe in Odessa benannt ist Generalgouverneur von Neurussland und er ließ sich diesen schönen Palast bauen. Wir fuhren dann mit dem Taxi zum Busbahnhof und checkten unsere Rückfahrmöglichkeiten für den nächsten Tag. Wenn man nur eine Minute dort steht ist das Auto bereits umringt von Menschen, die einem Quartiere anbieten. So saßen wir im Wagen und durchs Fenster wurden uns Wohnungen, Privat- und Hotelzimmer offeriert. Wir entschieden uns dann für ein Hotel und fuhren mit der Dame sogleich dorthin. Der „Hotelmanager“ Anatoli war ein, ich denke von Geburt an, schlecht gelaunter und unfreundlicher Mensch. Die Zimmer waren aber sehr sauber und es gab keinen Grund nicht zu bleiben. Allerdings dachte sich Anatoli wahrscheinlich, wenn die nur eine Nacht bleiben, dann sollen sie ihre Bettwäsche gefälligst selber aufziehen. Naja, sollten sie sich auch Westtourismus wünschen, dann müssen sie noch viel lernen.  Abends fuhren wir dann noch zum Weingut Massandra, machten eine Besichtigungstour und anschließend gab es eine Verkostung. Es war alles in russisch aber wir hatten das Glück , dass in unserer Gruppe eine Englisch Lehrerin war, die auch bereit war uns so viel wie möglich zu übersetzen. Und es hatte den Anschein, als habe auch sie Freude daran, ihre wirklich sehr guten Englischkenntnisse zu nützen. Anschließend fuhren wir mit dem Bus zurück in die Stadt und dann gab es erst mal etwas zu essen und ein Bier zum Durst löschen, denn die Weine von Massandra sind allesamt sehr stark und sehr süß. Am nächsten Morgen gehen wir erst mal auf den Markt um uns ein Frühstück zu organisieren. Im Hotel gab es nichts und so kauften wir Brot, Wurst, Käse und Yoghurt am Markt ein und ließen uns in einem Cafe nieder. Dort bestellten wir Kaffee und andere Getränke und es war kein Problem dass wir dort unser mitgebrachtes Frühstück verzehrten. Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Livadia Palast. Dort wurde nach dem 2. Weltkrieg die berühmte Konferenz von Yalta abgehalten in der die Besatzungsmächte, vertreten von Stalin, Roosevelt und Churchill das Nachkriegseuropa aufteilten. Laut Reiseführer gibt es dorthin einen schönen Spazierweg, den Sonnenpfad, welcher, anders als es sein Name verspricht, großteils eben und durch schattige Wälder entlang der Küste führt. Na, was soll ich sagen, wir haben ihn natürlich nicht gefunden und sind dann einfach immer in die Richtung gelaufen, in der sich der Palast befinden müsste. Es war nicht schattig und es war nicht eben, es war verdammt heiß und schwül. Unsere Kleidung war durchgeschwitzt als wir nach gut eineinhalb Stunden doch noch dort ankamen. Was soll`s, dafür war die Besichtigung des Palastes sehr schön und auch recht ausführlich. Die Führung natürlich wieder auf russisch aber es hingen einige Schilder mit englischen Texten zur Beschreibung aus. Zurück nach Yalta fuhren wir mit einem Sammeltaxi und in dieser Gegend muß man auch nicht lange Durst leiden. Denn überall stehen kleine Tankwägen herum die Kwas verkaufen, ein kalt serviertes und erfrischendes Getränk aus vergorenem Brot. Anfangs eigenartig im Geschmack doch mit der Zeit wird es sehr süffig und der Duft erinnert an den vor vielen Jahren bei uns so populären Kefir. Im  Passagierhafen von Yalta, in dem man als „normaler“ Tourist keinen Zutritt hat, liegt eine 30 Meter lange Motoryacht namens „Galactica plus“. Wir kennen den Skipper, einen jungen Amerikaner aus New York, schon von unserer letzten Reise hierher und waren seitdem auch ab und zu in email Kontakt. Also machten wir den Wachposten am Tor unser Anliegen klar und nach ca. 20 Minuten warten kam Tripp auch tatsächlich raus. Es war sehr nett ihn wieder zu sehen und wir gingen in ein benachbartes Cafe und jeder erzählte, wie es ihm bisher so ergangen ist. Leider musste er nach relativ kurzer Zeit wieder zurück an Bord denn die Eigner hatten sich angesagt und er musste noch alles für ein abendliches Auslaufen klar machen. Wir ließen uns anschließend noch ein Grillhähnchen schmecken und fuhren dann mit dem Autobus zurück nach Sevastopol. Im großen Hafen von Sevastopol gibt es jährlich am letzten Sonntag im Juli ein riesiges Navy Spektakel. Da wird der Hafen gesperrt und die russische und ukrainische Marine fahren mit ihren Flotten vor und zeigen was sie so können. Das ist ein sehr lautes Geballere und vor unseren Booten kamen sogar Amphibienfahrzeuge zum Vorschein. Bis vor ein paar Jahren machten hier auch noch Kampfflugzeuge und Hubschrauber mit und es wurde auch scharf geschossen, doch leider gab es dann einen Unfall und ein Flugzeug stürzte ab. Seit dem zeigen sie nur mehr eine sehr gemäßigte Show. Inzwischen sind auch Cayenne und Second Lady nach gekommen und wir gehen noch mal gemeinsam in die Stadt zum Essen und danach verabschieden wir uns von ihnen, denn für Antonella und uns war`s wieder an der Zeit auszuklarieren, wir wollten zurück in die Türkei bzw. Ägäis. Der Wetterbericht sagte recht guten Nordost Wind an und so machten wir uns auf den Weg zum Zollpier um alle Formalitäten zu erledigen. Im Vorfeld waren Nik und Oski schon mit Sergey unterwegs der ihnen zeigte, wo wir mit dem Schiff hinmüssen und sie füllten auch einige Formulare zusammen aus. Dies stellte sich dann doch als unnötig raus, denn auf einmal standen die Behörden mit zwei Agenten vor dem Schiff, sagten, dass sie von uns keine Papiere haben und die Agenten würden uns für 150 US Dollar !!!! pro Boot beim Ausklarieren behilflich sein. Nicht mit uns. Eine Beamtin der Immigration sprach gut englisch und sie wollte uns auch offensichtlich helfen denn sie gab Nik drei Formulare die wir benötigten (für die sollten wir 150 Dollar zahlen?) zum abschreiben. Die kopierten wir für beide Boote, füllten sie aus, und schon war alles erledigt. Es hat zwar über fünf Stunden gedauert, auch weil Oski noch mal mit dem Taxi in die Stadt musste weil ihm ein Papier gefehlt hat, aber dann lief alles reibungslos und gratis ab und wir konnten aus der Ukraine ausreisen. Die nächste Etappe war 186 Meilen lang und der Wind ließ sich dann doch etwas bitten aber am nächsten Tag konnten wir dann schön segeln, sodass wir zuletzt von der gesamten Strecke gute 80 Meilen segeln konnten. Kurz bevor wir im türkischen Hafen Amasra des nächtens einliefen, rief uns Oski noch über Funk, dass er leider keinen Strom mehr habe, auch unter Motor nicht und er seinen Computer nicht mehr zum laufen brächte und ob wir ihn nicht in den Hafen lotsen könnten. Also haben wir unser Großsegel reingeholt und sind schön langsam weitergetümpelt bis dass die Antonella aufgeschlossen hatte. Um 1 Uhr 30 morgens fiel der Anker im Hafenbecken von Amasra. Nik und ich tranken noch ein Gläschen Wein, warteten bis das Brot, welches ich auf der Herfahrt gebacken habe,  fertig war und dann war erst mal ausschlafen angesagt. Bei einem Landgang am nächsten Abend stellten wir fest, dass wir hier eigentlich in einem sehr hübschen und freundlichen Ort gelandet sind und beschlossen, noch einen Tag hierzubleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir wurden in Amasra länger festgehalten als wir ursprünglich geplant hatten. Der Wind drehte auf West und das heißt, wir hätten ihn genau auf die Nase wenn wir Richtung Istanbul segeln. Aber nicht nur Wind sondern auch eine hohe Welle und starken Gegenstrom. Wir haben es sogar zweimal versucht, sind ausgelaufen und wollten aufkreuzen, doch leider kamen wir fast nicht weiter, und das auf ziemlich unbequeme Weise sodass wir wieder umkehrten. Na, was soll`s Amasra ist ja eh ein nettes Dorf. Ich hab mir auch den „Luxus“ eines Friseurbesuchs geleistet. Ich lies mir grad die Spitzen abschneiden und das ganze hat dann € 2,80 gekostet.

Nach 4 Tagen war`s dann soweit, der Wind hat gedreht und wir konnten unsere Reise entlang der türkischen Nordküste in Richtung Istanbul fortsetzen. Wir gingen es recht zügig an da es heiß war und wir uns schon auf die Ägäis freuten. Mit Wind im Rücken und Strömung mit uns waren der Bosporus und die Dardanellen ein Klacks. Die Logge zeigte zeitweise sogar eine Geschwindigkeit von 9,3 Knoten über Grund an. Das ist unter normalen Umständen mit unserem Boot gar nicht möglich. Wieder hatten wir starken Nordwind und so segelten wir mit Wind von hinten wie auf einer Autobahn nach Süden. Unser Ziel war eine schöne, ruhige Bucht in der Nähe von Ayvalik, TR, wo wir dann endlich wieder mal baden, schnorcheln und schwimmen konnten. Wir haben auch unser Unterwasserschiff mit einer Spachtel vom Seepocken – Bewuchs gereinigt und am dritten Tag kamen auch unsere Schweizer Freunde nach. Wir segelten die kurze Distanz nach Ayvalik Stadt, machten noch die nötigen Einkäufe und verbrauchten unsere letzten türkischen Liras und klarierten aus der Türkei aus. Zurück in der Bucht luden wir Regula und Oski noch zu einem guten Fisch – Abendessen ein (selbst gekauft statt selbst gefangen). Unsere nächstes Ziel war Mytilini auf Lesbos denn wir mussten unbedingt tanken und das Gas zum Kochen ging auch schön langsam zur Neige und die passenden Flaschen gibt es leider in diesem Teil der Türkei nicht. Wir wussten auch, dass es in Mytilini einen Lidl Markt gibt und so hielten wir vom Boot aus Ausschau, ob dieser eventuell in der Nähe der Küste liegt, und siehe da, nachdem wir mit dem Fernglas Ausschau gehalten haben, haben wir doch tatsächlich das Firmenschild erblickt. Also, auf zur Lidl – Bucht. Wir ließen den Anker fallen und fuhren gemeinsam mit Regula und Oski im Beiboot an Land und marschierten ein paar Minuten zum Lidl. Danach als alles schweißtreibend an Bord gebracht war sprangen wir noch kopfüber ins Wasser und machten uns dann für die Stadt fein. Allerdings war uns ein Tag bzw. eine Nacht in Mytilini genug. Tagsüber irrsinnig heiß und nachts noch dazu sehr laut. Wir fuhren in den Süden in eine sehr gut geschützte Bucht denn es war für die nächsten Tage Starkwind und sogar Sturmwarnung angesagt. Aber kein Problem für uns denn wir haben eh ein gewisses Defizit im Buchteln. Nach drei Tagen segelten wir dann weiter südlich nach Oinoussa und ankerten im Hafen. Auch hier dann wieder Sturmwarnung und wir blieben ein paar Tage. Wir verbrachten die Tage mit faulenzen, spazieren gehen, Kaffee trinken und Nik sogar mit Leben retten. Ja, wirklich, denn die Besatzung eines deutschen, großen Segelbootes machte Dingitouren mit den Kindern. Und so kam es, dass der Papa mit 5 relativ kleinen Kindern im starken Wind mit dem Beiboot abgetrieben wurde, da der Motor plötzlich gestreikt hat und er mit den Paddeln gegen den Wind nicht ankam. Nik startete unseren „Boliden“ und schleppte die Seebären wieder zurück zum Schiff. Allerdings hat nie wirkliche Gefahr bestanden, da der Hafen rundherum mehr oder weniger zu ist. Trotzdem war die Mama der Kids sehr dankbar und erleichtert als Nik die Rasselbande wieder heimbrachte. Hier auf Oinoussa trennten wir uns dann von unseren Schweizer Freunden denn sie gingen weiter in den Süden und werden ihr Boot dann irgendwo in der Türkei überwintern. Wir nutzten den schönen und starken Wind um weiter nach Südwesten zu kommen. Erstmal auf die Insel Chios, die aber eigentlich nur als Übernachtungszweck diente, denn es gibt nicht wirklich attraktive Buchten oder Städte. Zumindest nach unserem Geschmack. Weiter ging es dann am nächsten Morgen nach Mykonos, nach anfänglichem motoren, weil es morgens keinen Wind hatte, konnten wir dann aber den Großteil der Strecke wieder segeln. Hier lagen wir in einer wunderschönen Bucht vor einem schönen Sandstrand mit einigen Sonnenschirmen drauf. Das Wasser ist glasklar und schimmert in wunderschönem türkis und es hat 25°C. Herz was willst du mehr. Hier hat mich auch endlich wieder der Elan gepackt und ich habe wieder zu laufen begonnen. Abends, wenn sich die Sonne schon hinter den Bergen versteckt, ist die Temperatur schon angenehm und sportliche Betätigung wieder möglich. Schluß mit faulenzen! Nach zwei Tagen fuhren wir eine Bucht weiter nach Westen. Da konnte man gut ankern und es gibt eine gute Busverbindung nach Mykonos Stadt. Diese Stadt ist wirklich sehr reizvoll und jetzt am Ende der Hauptsaison auch nicht so mit Touristen verstopft. Allerdings gibt es da so viele Gässchen, dass man zum Schluß nicht mehr weiß wo man schon gewesen ist und vor allem wo man hergekommen ist. Nach ein paar Extrarunden fanden wir dann doch den Weg zurück zum Autobus. Allerdings trafen wir auf unserer Suche auch ein österreichisches Pärchen, welches auch mit dem Boot in der Bucht lag. Also setzten wir uns noch zu ihnen und tranken einen Ouzo zusammen.

Am nächsten Tag war dann wunderschöner Nordwind und es hielt uns nichts mehr am Ankerplatz. Also, Segel rauf und ab nach Naousa auf der Insel Paros. Und so verbringen wir die Zeit mit ein bisschen segeln, faulenzen, schwimmen, schnorcheln und nicht zuletzt genießen wir das herrliche Wetter insbesondere wenn wir morgens den österreichischen Wetterbericht hören. Tagsüber hat es immer noch schweißtreibende 34 Grad aber nachts kühlt es angenehm ab. Wir werden noch ein paar Tage mittlerweile hier auf Serifos verbringen und warten auf den richtigen Wind, der uns dann hoffentlich wieder an den Peloponnes blasen wird. Dort treffen wir noch Freunde mit ihrem Katamaran „Tribun“ und wir werden ein Stück gemeinsam segeln. Dann geht es schon wieder in Richtung Ionische Inseln wo wir unsere Independence wieder den Winter über liegen lassen. Allerdings müssen wir uns erst noch einen Liegeplatz suchen, den die Möglichkeit vom letzten Winter, das Boot in der Nähe der Sivota Inseln zu lassen, gibt es leider nicht mehr. Aber das sollte kein Problem sein.