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Sonntag, 10. April 2005

Nach einer langen, langen Winterpause machen wir uns mit dem Auto wieder auf den Weg in Richtung Süden. Wir fahren ab Venedig mit der Fähre nach Patras und von hier weiter über Land nach Kalamata. Die Fähre verlässt um 12 Uhr mittags Venedig und erreicht das Ziel am nächsten Abend, mit 2 Stunden Verspätung, um 23 Uhr. Schließlich, mit einer unbeabsichtigten Stadtrunde in Pirgos, erreichen wir um 2 Uhr morgens Kalamata und nach einer halbstündigen Suche nach einer Leiter, auch die Independence. Im Boot herrscht ein Riesendurcheinander, genauso wie wir es im Herbst verlassen haben. Doch um diese Uhrzeit steht uns der Sinn nicht nach Ordnung schaffen, sondern wir verräumen was notwendig ist, um unser Bett zu finden, und ab geht`s in die Heia. Nach einer relativ kurzen Nacht am Boden der Fähre und einer langen Anreise, schlafen wir auch sofort ein.

Die nächsten Tage vergehen mit Arbeit. Leider ist das Wetter noch nicht so rosig, wie wir uns das gewünscht hätten. Es regnet immer wieder und auch der Wind ist saukalt. Aber trotzdem sind wir guter Dinge und arbeiten recht brav den ganzen Tag lang, und Gott sei Dank haben wir ja einen guten Ofen an Bord, sodass es abends trotz der Baustellen – Verhältnisse , immer recht gemütlich beim Fernsehen ist. Das mit dem Essen ist hier an Land so eine Sache, entweder es gibt Obst, Salat oder Gemüsesuppe oder wir gehen auswärts essen. Denn es ist recht umständlich ohne Wasser zu leben.

Die Arbeit geht recht zügig voran und wir haben mittlerweile auch unsere Nachbarn kennengelernt. Ein italienisches Pärchen. Mara, 29 und Stefano 48 die beiden kommen aus der Nähe von Nogara am Lago Maggiore.

 

Sonntag, 17.April 2005

Heute steht ein Ausflug auf dem Programm. Die Arbeit wird kurzer Hand hintangestellt und wir fahren mit Mara und Stefano nach Mistras. Laut Landkarte scheint es eine recht kurze Fahrt von ca. 1/2 Stunde zu werden, doch wir haben die gebirgige Gegend außer Acht gelassen. Mir wird auf der Fahrt richtig schlecht von den vielen Kurven und letztendlich sind wir 1 ¼ Stunden unterwegs mit dem Resultat, dass dort geschlossen ist. Es schaut zwar auch von der Ferne sehr schön aus, aber trotzdem ist es schade, dass wir den weiten Weg umsonst gemacht haben. So besuchen wir die nächste Taverne und haben auch dort noch eine nette Zeit mit den beiden.

Ja, und mit unserer Arbeit kommen wir gut voran und so können wir schon am Dienstag wieder ins Wasser zurück. Es ist ein herrliches Gefühl das Independence wieder schwimmt. Wir schlafen wie die Murmeltiere.

In den nächsten Tagen bessert sich das Wetter und wir putzen, polieren, waschen, räumen, montieren, verstauen.... Es ist einfach immer was zu tun.

Trotzdem nutzen wir unser Auto auch dazu um Ausflüge zu machen. Einen Tag fahren wir nach Messini. Dort gibt es Ausgrabungen und viele antike Steine. Das Wetter ist super, auch wenn der Wind noch sehr frisch ist. Doch wir sind schon froh, dass dort nicht geschlossen ist. Es sind wenige Touristen nur unterwegs und so verbringen wir knapp 11/2 Stunden bei den Ausgrabungen. Na und so geht es weiter, ein bissl arbeiten und wieder steht der nächste Ausflug ins Haus (Boot). Am Donnerstag, den 28. April fahren wir nach Norden um das antike Mykene zu besichtigen. Es ist wieder ein weiter Weg dorthin, denn hier am Peloponnes gibt es sehr hohe Berge, und da muss man mangels Tunnels, drüber. Aber die Gegend ist wunderschön, das Wetter auch, und so fahren wir halt dahin. In Mykene sind schon viele Touristenbusse unterwegs und diese Ausgrabungen aus der Zeit 3000 – 2000 vor Christus sind sehr schön erhalten. Wir machen auch noch ein Geschäft dort, denn unsere Eintrittskarten wurden nicht abgerissen und können diese nach Verlassen des Geländes noch an ein deutsches (schwäbisches) Paar verkaufen. Also bleiben für uns statt 16 Euro nur 6 Euro Eintrittsgebühr. Danach machen wir noch einen Abstecher in die Hafenstadt Naufplia und dann noch weiter zu den Ruinen von Epidaurus.

Am nächsten Tag machen  wir mit der Arbeit an Bord weiter. Wir stellen fest, dass unser Fäkaltank schon zum Bersten voll ist und der Inhalt schon durch das Entlüftungsventil rausgedrückt wird. Wir probieren rum und kommen zu dem Schluss, dass das Ventil geschlossen ist, obwohl der Hebel offen ist. Jetzt pumpen wir erst mal mit einem Schlauch den Tank leer ( so glauben wir) und dann schließt Nik den Abwasserschlauch an ein anderes Ventil an. Doch das sagt sich leichter, denn der Schlauch steckt fest und so muß ein Messer her. Und da passierts. Der Fäkaltank war noch nicht leer und die ganzen bereitgestellten Schüsseln und Fetzen helfen nichts denn die Pisse drückts gleich so raus......................... Alles voll, die ganze (frischgeputzte) Bilge steht unter Pisse..... es stinkt ....... Nik ist voll ...... er stinkt nicht weniger. Und so verbringen wir den Tag damit das wieder zu reparieren, die Bilge auszudunken, ich habe drei volle Kübel davon rausgelehrt, zu putzen und natürlich auch sämtlichen Inhalt, Bierdosen, Wasserflaschen, Weinflaschen, Marmeladegläser, zu waschen, abzutrocknen und wieder in die Bilge zurückzugeben. Ein ganzer Tag Arbeit, Gestank, und am Abend sieht es genauso aus wie vorher, als ob man den ganzen Tag über gar nichts gemacht hätte. Na super. Aber jetzt funktioniert endlich unser WC. Wir lernen daraus, dass wir, wenn wir an Land sind, auch nach der Winterpause die Ventile prüfen müssen.

Mittlerweile gibt es hier in Kalamata schon Vorbereitungen für das orthodoxe Osterfest. Am Freitag abend ( eine Woche vor Karfreitag) gehen wir mit den Italienern und deren griechischen Freunden in die Kirche. Da gibt es ein Konzert von drei verschiedenen Chören. Darunter auch ein byzanthinischer Männerchor. Der ist echt heavy. Aber dann sind noch zwei gemischte Chöre dran und die waren echt gut. Danach ließen wir den Abend in einer Taverne gemütlich ausklingen. Ostern wird hier in Griechenland gefeiert wie bei uns Silvester. Freitag abend gibt es eine laaaaange Prozession durch die Stadt und danach werden aufgehängte Strohpuppen, die den Judas verkörpern sollen, angezündet und verbrannt. Am Samstag abend ist ebenfalls wieder Kirche, da wird die Auferstehung gefeiert , und danach, Mitternacht, gibt es Feuerwerk. Und den ganzen Sonntag und Montag wird gegessen!!!! Überall riecht es nach gegrilltem Lamm, allerdings aus Privatgärten, denn die Restaurants und Geschäfte bleiben geschlossen.

 

Wir haben hier in Kalamate nette Leute kennengelernt.

Mara und Stefano – Abukina

Jo Ann und Gregg – Hawkeye

Rita und Andi - Rippaway , die beiden haben sich am Peloponnes Land gekauft und planen auch es zu bebauen

Alan – Rapaz

 

Für uns geht es am Montag, den 2. Mai  aber schon mit der Reise los. Leinen los, das Wetter ist wunderschön, unser Ziel heißt Methoni. Erst müssen wir motoren, aber dann in der Nähe des Kaps geht es schon los. Wir haben NW Wind um die 30 Knoten und wir kreuzen. Aber dann ist`s genug und die letzten 6 Meilen fahren wir mit dem Motor weiter. Methoni kennen wir ja schon recht gut und wir gehen Kaffee trinken, wandern und ich fang sogar wieder mit dem Laufen an. Mal sehen, wie lange der Eifer anhält.

 

Donnerstag, 5. Mai 2005

Anker auf in Methoni. Nik macht wieder mal Frühschicht und lichtet schon um kurz vor sechs den Anker. Ich schlafe mich noch aus und kraxle erst um sieben aus der Koje. Schön. Laut Wetterbericht sollten wir einen schönen SW Wind haben doch der lässt auf sich warten und so motoren wir die ersten 50 Meilen und die letzten 20 schaffen wir dann doch noch unter Segel. Wir laufen Keri, eine Bucht im Süden von Zakynthos an und verbringen hier eine ruhige Nacht. Am nächsten Morgen jedoch hat der Wind gedreht und die Welle steht direkt in die Bucht herein und wird auch immer größer. Dies bringt uns dazu, nach Zakynthos Stadt zu flüchten. Dort legen wir neben einem großen griechischen Holzsegler mit Giorgio, Grieche und Katarina, Holländerin, an. Die beiden sind sehr nett und wir schließen auch gleich Freundschaft mit ihnen. Sie laden uns zu sich an Bord zu griechischem Wein ein und Giorgio lässt es sich nicht nehmen für uns auch noch zu kochen. So verbringen wir 6 schöne Tage in dieser Stadt , nicht zuletzt, weil das Wetter schlecht und der Wind sehr stark ist, und von unseren Nachbarn werden wir auch noch mit Wasser versorgt. Vollgetankt geht es dann eines morgens doch weiter in Richtung Keffallonia und statt wie geplant nach Argostoli zu segeln, trägt uns der Wind wieder mal nach Poros. Den Hafen kennen wir schon recht gut. Nach uns kommt noch ein schwedisches Boot in den Hafen. Patrik und Anncharlotte mit ihren Kindern Henrik (6) und David (2) und als Besuch noch Patriks Schwester, Schwager und 2 Kinder . Und die alle auf einer 37er Jeanneau!!!!! Wir treffen sie dann auch am nächsten Abend wieder in Evfimia, ein sehr griechischer, idyllischer Hafen. Nur meine Lauferfahrung dort ist, man muß schon eine Ziege sein, um hier abseits der Hauptstrassen zu laufen.

Von hier weg motoren wir die Ostküste Richtung Norden und schauen uns ein paar Badebuchten an. Denn mittlerweile ist es ganz ordentlich warm geworden und auch das Wasser sieht schon recht einladend aus. Allerdings sind die Bucht sehr tief und so richtig gefällt es uns eigentlich nirgends und wir fahren bis Phiskardo. Nachdem starke Windböen in die Bucht fallen, legen wir mit dem Heck am Schwimmsteg an und bleiben hier 2 Tage liegen. Wieder eine Gelegenheit um zu laufen, diesmal bin ich eine gute Stunde unterwegs, danach brauche ich aber eine kalte Dusche um meinen  Kopf abzukühlen. Am dritten Tag verlegen wir uns auf die andere Seite der Bucht und ankern und verbringen einen faulen Bade- und Sonn- tag. Bei einem Spaziergang am späten Nachmittag durch Phiskardo stossen wir wiedermal auf die Schweden und werden bei ihnen an Bord zu einem Drink eingeladen. Wir tauschen noch unsere email Adressen und Telefonnummern aus und wir nützen den nächsten Tag mit Südwind, zumindest laut Wetterbericht, um weiter nach Lefkas zu kommen. Wir segeln zwar den meisten Teil der Strecke, allerdings ist es eher ein laues Lüfterl so dass wir zuweilen mit 1 Kn „dahinrasen“. Unser Ziel heute ist Nidri und die große Vlychon Bucht. Wir werfen Anker gleich am Beginn in der Tranquil Bay. Mit dem Willi geht es rüber in die Stadt Nidri wo wir einige Dinge einkaufen. Gleich beim ersten Yacht Chandler werden wir fündig und kaufen für unsere Toilette ein neues Seeventil und einige andere Dinge. Am nächsten Tag wird noch eingekauft, und im Athos Hotel Wäsche gewaschen und nach einem Besuch im Internet Cafe fahren wir ein paar Seemeilen weiter nach Meganision. Hier empfängt uns , nicht wie in der Vlychon Bucht, glasklares Wasser und herrliche Gegend ( es gibt auch eine 50 minütige Laufstrecke ). Für die nächste Zeit ist sowieso wieder starker Nordwind angesagt und so werden wir die nächsten paar Tage hier verbringen. Mein Tausendsassa Nik wechselt hier auch unser defektes WC Ventil aus – im Wasser!!!! Er klopft von außen einen Holzstopfen rein und arbeitet dann im Kästchen und nichts wird nass. Super. Als wir dann noch einen neuen Schlauch kaufen, montiert er diesen und das 3-Wege Ventil und unser WC funktioniert wieder einwandfrei.

Neben uns ankert noch ein österreichisches Segelboot. Leo und Lee mit der Coconut. Er ist Tiroler und sie ist Schottin, aber schon ewig in Österreich. Wir verbringen so manch netten Abend mit den beiden und als wir sie ein paar Tage in Ormos Syvota wiedertreffen, laden wir sie zu uns an Bord zum Abendessen ein. Es gibt wieder mal Lasagne. Wir verbringen jetzt viel Zeit in der Gegend um Lefkas und Meganision und machen auch einen kurzen Abstecher zur Insel Kastos. Vom Tourismus weitgehend unberührt, gibt es hier auch keine Autos. Wir reden mit einem Urlauber, der eigentlich von dieser Insel stammt aber in Athen lebt, und der erzählt uns, dass die Menschen die hier leben ( im Sommer ca. 400 im Winter ca. 25) zwischen 65 und 90 Jahren alt sind.

Das Segeln nach und von Kastos ist wunderschön . Wir haben recht starken Wind und wir genießen das Feeling.

Samstag, 28.Mai 2005 – Freitag, 03.Juni 2005

Heute um 0410 österreichischer Zeit ist mein zweiter Neffe, Mathias, geboren worden. Er ist 3,40 kg schwer und 52 cm lang. Doris hat heute morgen angerufen und uns aus den Federn geholt. Beiden geht es gut und der Kleine hatte es ziemlich eilig. Daraufhin hab ich gleich eine Flasche Krim Sekt eingekühlt. Als wir dann vom Brotkaufen in Vathi zurückkommen, ist er richtig temperiert und es gibt ein Sektfrühstück.

Wir fahren nochmals nach Nidri und durch den Besitzer des Internetcafes kommen wir zur Telefonnummer von Fritz, einem Österreicher, welcher hier in einer Bootswerft arbeitet und auf seinem kleinen abgef......... Boot wohnt. Hier hätten wir eine Möglichkeit unsere Independence den Sommer über unter Aufsicht und doch sehr günstig im Wasser zu lassen. Das werden wir wahrscheinlich machen und jetzt müssen wir nur noch unser Auto aus Kalamata abholen.

Unsere Reise führt uns weiter über Lefkas Stadt, wo wir ein paar Tage verbringen nach Preveza. Es sind zwar nur ein paar Meilen aber trotzdem ein wunderschönes Segeln. Als wir schon im Hafenbecken von Preveza unter Motor die Mole ansteuern, hören wir hinter uns Rufe. Ein Franzose braucht Hilfe da sein Motor streikt. Wir nehmen in kurzerhand längsseits und legen quasi im Päckchen mit Anker und Heck zur Mole an. Nachdem wir ein recht auffälliges Gespann sind, warten auch schon genug Leute an Land um unsere Leinen zu übernehmen und es hat wieder mal sehr gut geklappt. Preveza liegt am Eingang des Ambrakischen Golfs und wir fahren weiter hinein bis nach Vonitsa. Die Hafenanlage ist ganz gut nur bei Nordwind wollen wir hier nicht liegen. Es ist ein sehr verschlafenes Nest und selbst am Abend ist es hier ziemlich ruhig. Trotzdem gefällt es uns recht gut und wir bleiben einen Tag länger, an dem Nik unser Teak im Cockpit streicht.

Samstag, 04.Juni 2005 – Donnerstag, 30. Juni 2005

Nach einem kurzen Zwischenstopp wieder mal in Preveza geht es für uns weiter in den Norden. Wir ankern in der Bucht Lakka auf Paxos und wir sind immer wieder begeistert, wie wunderschön es hier ist. Allerdings sind laut Wetterbericht für die nächsten Tage starke nördliche Winde angesagt und das wäre in dieser Bucht nicht angenehm und so segeln wir ein paar Meilen südwärts nach Gaios, der Inselhauptstadt. Hier liegt man sehr geschützt, wenn einem nicht grad die Nachbarn den Anker raufholen. Besagter Nachbar, ein Belgier, hat festgestellt, dass sein Anker nicht hält und so legt er ab um diesen neu zu setzen. Doch bei dieser Aktion bearbeitet er aufs Heftigste auch unsere Ankerkette, doch unser Anker sitzt felsenfest, Gott sei Dank. Denn kaum ist der Nachbar wieder vertäut, kommt auf der anderen Seite ein Holländer an. Auch sein Anker hält nicht gut ( obwohl er einen 6 kg !!!!Aluanker verwendet, so was aber auch ) denn die Wind böen sind sehr stark und kommen von der Seite auf uns zu. Nik hilft ihm dann noch eine Leine an eine vorhandene Muring anzuknüpfen und damit ist wieder Friede in unserem „Viertel“ hergestellt.

Neuerdings gibt es hier auch einen kleinen Airterminal. Ein Wasserflugzeug verbindet Paxos mit Korfu zweimal täglich. Es ist immer recht spektakulär wenn das kleine Flugzeug direkt in der Hafeneinfahrt landet oder startet. Allerdings ist vorher immer ein kleines „Follow me“ Boot unterwegs um die ein- und auslaufenden Segelyachten aufzuhalten bzw. die Einfahrt freizuhalten.

Nach ein paar Tagen hier in Gaios hat sich der Wind normalisiert und wir segeln weiter nach Mourtos. Hier hat sich in den letzten Jahren doch einiges geändert. Der Schwimmsteg wurde weggerissen und es ist eine sogenannte neue Marina entstanden. Allerdings ist dem Betreiber das Geld ausgegangen und somit wird auch diese zu einer typisch griechischen, sprich nie fertiggestellten, Marina werden. Gut für uns denn wir liegen hier wieder mal gratis. Die nächsten Tage verbringen wir segelnd, faulenzend oder schwimmend zwischen Mourtos, Plataria und Lakka. Dann am 18. Juni bekommen wir Besuch für eine Woche von Ute und Michi aus dem Burgenland. Wir kennen die beiden noch nicht, es gab erst telefonische und email Kontakte und so sind wir recht neugierig, wie diese Woche verlaufen wird. Aber die beiden sind ja in der selben Situation und sicherlich auch schon gespannt darauf, was sie erwartet. Doch wir finden die beiden von Anfang an sympathisch und die ganze Woche wird sehr angenehm. Leider spielt der Wind nicht so ganz mit und wir müssen recht viel motoren. Aber da bleibt wenigstens Zeit um so manche Manöver zu üben. Abends wird es immer sehr spät. Nik und ich sind das gar nicht mehr gewöhnt erst um 2 Uhr morgens schlafen zu gehen, und dann noch nach einigen Glaserln Wein und „Kompostierer“ ( jaja, die Burgenländer haben halt hausbackene Ausdrücke hihi). In Lakka treffen wir Hans mit seiner Crew aus Kapfenberg. Erst essen wir gemeinsam zu Abend und danach sind wir noch bei ihnen an Bord zu einem ( oder waren es mehr?) Flascherl Rotwein eingeladen. Ebenso verbringen wir auch einen sehr netten Abend an Bord mit Leo und Lea, den beiden Tirolern von der Coconut, welche wir schon früher auf Meganision kennengelernt haben. Sie kommen auf einen Sundowner zu uns und wir sitzen bei Tiroler Volksmusik und gutem Rotwein aus der Steiermark, dem Burgenland, Chile und Australien beisammen. Zur Stärkung gibt’s dazu Knoblauchspaghetti für alle. Und Witze bis zum Abwinken........... und wiedermal leiden wir am nächsten Tag an Schlafmangel. Lustig war`s. Doch eine Woche ist halt nicht sehr lang und so heißt`s wieder auf nach Korfu der Flieger für Ute und Michi geht am 25. Juni um 10 Uhr morgens.

Jetzt sind wir wieder alleine und machen uns auf den Weg Richtung Süden. Wir wollen nach Patras um von dort aus unser Auto aus Kalamata zu holen. Am letzten Stück von Meganision nach Patras segeln wir zwar wunderschön doch wird die Etappe zu lange und wir suchen bei der Insel Oxia nach einem geeigneten Ankerplatz. Das dauert schon mal eine ganze Weile denn direkt bei der Insel gibt es eine mögliche Bucht aber hier sind leider die Wassertiefen zu groß und außerdem steht der Schwell der vorbeifahrenden Fähren und Frachter in die Bucht hinein. So entscheiden wir uns dafür nördlich der Insel im Ormos Oxia zu ankern. Der Haken an dieser Bucht sind die geringen Wassertiefen und dass die Gegend zu versanden neigt. Wir ankern dann auf ca. 8 m Wassertiefe und das ist ok so. Doch leider dreht es unser Boot in der Nacht sodass wir dann mit dem Heck in die Bucht reinstehen und der Grund steigt hier so rapide an , dass unser Tiefenalarm um 0030 losgeht. 2m 30  vorne unter dem Bug und mit dem Ruder stecken wir schon im Schlamm, wie man unschwer erkennen kann, wenn man am Rad dreht. Also, Anker auf und neu setzen , doch das sagt sich leicht. Es ist stockdunkel und man hat keine Relation wie weit man fährt. Erstmal zeigt das Echolot 2,20  ..... 2,00.... 1,90..... 1,80..... sch.... wir stecken mit dem Kiel im Schlamm. Doch mit Vollgas bringt uns Nik wieder aus dem „Schlammassel“ raus und wir können den Anker neu setzten. Also, ab ins Bett. Doch es dauert nicht lange und der Wind dreht unser Boot so, dass wir die zwar leichte aber stetige Welle , von hinten kriegen. Und jede klopft so laut ans Heck, dass es in unserer Kabine richtig vibriert. Somit ist es wieder mal vorbei mit dem Schlafen. Nach längerem Ärgern im Bett ziehen wir gegen 0330 in die Bugkabine um. Hier ist es zwar nicht so laut aber dafür ist diese Kabine nicht die Größte. Naja, um 0600 erklären wir die Nacht für beendet und brechen auf in Richtung Patras. Allerdings hab ich nach dem Anker auf Manöver ja nichts mehr zu tun und so übernimmt Nik die Wache und ich darf mich noch mal aufs Ohr hauen. Bis um 0800, denn da gibt’s dann Frühstück.

Ursprünglich wollten wir in Patras im Handelshafen unser Schiff lassen, denn als wir vor 6 Jahren hier waren, konnten wir das Schiff recht gut unterbringen, und es war auch gratis. Doch das wurde geändert. Jetzt liegen nur noch die riesigen Fährschiffe und Lotsenboote im Hafen und die Segler müssen in die (kostenpflichtige ) Marina. Na, das wollen wir uns noch gut überlegen und nehmen erst mal Kurs auf Trizonia, einer kleinen Insel im korinthischen Golf. Dabei unterfährt man die neu gebaute Brücke von Rion, welche das griechische Festland mit dem Peloponnes verbindet. Man muss sich dafür 12 sm vor der Brücke via Funk melden und eine Seemeile davor noch mal. Die wollen aber nur die maximale Höhe des Mastes wissen und sagen einem dann, zwischen welchen Brückenpfeilern man durchfahren kann. Unter Motor, nicht unter Segel. Nach der Brücke setzen wir das Vorsegel und wir haben wunderbaren achterlichen Wind mit bis zu 36 Knoten. Doch die meiste Zeit ist er so um die 25 Knoten, wir reffen die Genua und sausen mit 7 Knoten Fahrt dahin.

Trizonia ist eine typisch griechische Marina. Das bedeutet, mit EU Mitteln wurde der Bau begonnen und sobald das Geld weg war, wurde auch die Bautätigkeit eingestellt. Das sieht nun so aus, dass der Kai fertig gemacht wurde und es gibt sogar Beleuchtung, doch für die Schiffe sind weder Murings noch Strom oder Wasser vorhanden. Allerdings liegt man dadurch auch kostenlos, was ja auch nicht zu verachten ist. Der Ort ist sehr klein, es gibt 4 oder 5 Tavernen, einen Minimarkt in dem man das Brot für den nächsten Tag vorbestellen muss, den dieses wird mit einem kleinen Wassertaxi vom Festland gebracht, und eine Kirche. Aber man fühlt sich von Anfang an wohl. Wir verbringen die Zeit mit Spaziergängen und dem Füttern von 3 herzigen kleinen Kätzchen und fahren erst nach 4 Tagen wieder weiter nach Patras.

Unsere Independence legen wir in die Marina und am nächsten Morgen fahren Nik und ich mit dem Zug nach Kalamata um unser Auto zu holen, denn es dauert jetzt nicht mehr lange und wir machen Heimat – Urlaub. So fahren wir also nach Kalamata und am nächsten Tag bringt Nik das Auto am frühen Morgen schon nach Lefkas und kommt mit dem Bus zurück. Nun machen wir beide uns mit dem Schiff auch dorthin auf den Weg . Nachdem wir schon im Frühjahr einen Platz für das Boot gefunden haben, geht es recht schnell. Wir fahren zu jener kleinen Bootswerft in der Vlychon Bucht, gehen bei einem anderen Schiff längsseit und bringen noch hinten und vorne einen Anker aus. So liegt die Independence gut vertäut und wartet bis wir wiederkommen.

Ja und jetzt ist es soweit, die Fähre nach Venedig legt am 17. Juli um 10 Uhr in Igoumenitsa ab und wir sind am Weg nach Österreich. Jetzt ist erst mal ca. 1 Monat „Urlaub“ angesagt. Wir freuen uns schon drauf und ich freue mich ganz besonders schon darauf, dass ich meinen neuen kleinen Neffen endlich kennen lernen werde.

August 2005

Ein Grund, warum wir nach Österreich gefahren sind, war ein geplanter Tauchurlaub in Ägypten. Sharm el Sheikh sollte es werden. Jedoch 5 Tage vor unserer Abreise war genau dort ein Bombenattentat mit 90 Toten und das hat uns die Reiselust dorthin richtig vermiest. Wir haben die Reise storniert.

Am 21.August geht es dann mit der Fähre wieder nach Igoumenitsa. In Venedig giesst es in Strömen und auch den ganzen Tag auf der Fähre haben wir nur schlechtes Wetter sodass sich die Leute alle im Schiff aufhalten und da war schon ganz schön viel los. Doch am nächsten Morgen, als wir griechische Gefilde erreicht haben, lacht auch schon wieder die Sonne vom strahlend blauen Himmel und mittags steigt das Thermometer auf bis zu 34°C. Bei unserem Schiff angekommen, verstauen wir alles schnell und ab geht es wieder in unsere Lieblingsbucht Ambelaki auf Meganision. Hier wird dann erst mal gebadet und am nächsten Tag dann geputzt, denn die Independence ist sehr dreckig geworden in diesem einen  Monat.

Wir bleiben eine ganze Woche in dieser Bucht und treffen auch zwei Oberösterreicher, die ihren Urlaub hier mit deren Segelboot verbringen. Ruth und Franz sind sehr gemütliche Leute und so sitzen wir so manchen Abend zusammen und haben eine schöne Zeit. Womit wir in „unserer“ Bucht aber nicht gerechnet haben, sind Ratten. Eines Nachts, ich war noch nicht eingeschlafen, höre ich Geräusche von draußen, kann es aber nicht wirklich orten, von wo diese herkommen. Ich glaubte die Wellen plätschern, und zwischendurch immer wieder das Beiboot an den Rumpf klopfen zu hören. Denkste. Am nächsten Morgen sehen wir im Cockpit lauter kleine schwarze Perlen verteilt und eine Flasche Bodylotion, mit total zerbissenem Verschluss, liegt am Boden. Gott sei dank waren aber sämtliche Luken mit Moskitonetzen abgeschlossen und das dürfte den Nager wieder dazu veranlasst haben, unser Schiff zu verlassen. Glück gehabt, denn diese Viecher verkriechen sich sonst überall im Schiff, knabbern Kabel an, und können im schlimmsten Fall ein Schiff auch zum Sinken bringen.

September 2005

Das Wetter ist immer noch wunderschön und sehr warm. Am 2. September kommt mein Schwager Bernhard für eine Woche zu uns. Und gerade in dieser Woche haben wir Südwind welcher immer wieder Wolken und Regen bringt. Es ist zwar nicht kalt aber wenn es einem in einer Woche drei halbe Tage verregnet, ist das auch nicht so toll. Aber Bernhard und ich haben auch diese Zeit genutzt, haben unsere Laufschuhe angezogen und sind halt über die Insel gejoggt. War auch sehr schön. Wieder mal hatten wir  mit Bernhard eine sehr schöne und gemütliche Woche. Wir haben viel gelacht, gut gegessen und getrunken und ich denke, er hat auch ordentlich relaxed. Am 9. September bringen wir ihn nach Sami auf Kefallonia und er fliegt wieder heim.

Nik und ich segeln wieder nordwärts, es ist zwar nicht viel Wind doch wir sind hartnäckig, und liegen wieder mal fast eine Woche in der Ambelakibucht. Dann geht`s wieder ab nach Sami wo wir unsere nächsten Gäste, Ute und Michi, abholen.

Und diese Woche sieht dann anders aus als unsere Faulenzerwoche mit Bernhard, denn schließlich brauchen sie noch einige Seemeilen für ihren Segelschein. Und Aeolus, der Gott der Winde, meint es gut mit uns. Schon am 2. Tag haben wir wunderbaren, achterlichen Segelwind auf unserer Route in den Golf von Patras, nach Mesolongi. Und obendrein beissen auch noch 2 Fische an. Eine Goldmakrele und was der zweite war, wissen wir bis heute noch nicht so genau. In unserem Fischbuch haben wir ihn leider nicht gefunden, denn das Problem ist, dass die Fische in jungem Alter oft komplett anders aussehen als im ausgewachsenen Zustand. Wir waren jedoch der Meinung, dass er aussieht wie ein Barsch – und die kann man essen. Er hat dann auch wunderbar geschmeckt und hatte sehr zartes Fleisch. Und keiner hatte danach irgendwelche Beschwerden.

Weiter geht`s am nächsten Tag nach Trizonia, einer kleinen Insel im Golf von Korinth. Wieder haben wir nach morgendlichen Motormeilen sehr guten Wind und Michi lernt was es heißt, wenn das Boot durch den starken achterlichen Wind und die Wellen zu gieren und schlingern beginnt und aus dem Kurs läuft. Aber er kriegt das sehr schnell ins Gefühl und steuert uns sicher in den Hafen. Abends im Restaurant treffen wir auch wieder mal einen alten Bekannten. Hannes, von der Yacht Saphia Ena, mit seiner Lebensgefährtin Sabine, beide aus der Steiermark. Und Hannes haben wir schon im letzten Jahr in Preveza kennengelernt. Die beiden kommen noch auf einen Schlummertrunk mit auf die Independence und so lassen wir einen wunderschönen Segeltag ausklingen. Am nächsten Morgen heißt es dann wieder Kurs Richtung Kefallonia aufnehmen und das heißt in Richtung Westen. Allerdings haben wir auch sehr starken Westwind und wir müssen aufkreuzen. Aber auch das wird ein schöner Schlag und wir segeln bis nach Patras. Wir machen in der Marina fest und organisieren uns gleich ein Taxi, welches uns zum Weingut Achaia Clauss, dem größten Weingut Griechenlands, bringt. Denn schließlich darf auch die Kultur nicht zu kurz kommen. Leider waren wir schon zu spät dran um eine Führung durch das Gut mitzumachen, aber es bleibt uns immer noch die Verkostung. Und nach einem Bummel durch das nächtliche Patras und einem Überfall auf einer der zahlreichen Konditoreien fallen wir wieder mal müde ins Bett. Den nächsten Vormittag verbringen wir dann noch mit Schiff putzen, relaxen und Kaffee trinken. Doch als dann der Wind endlich aufkommt geht es wieder weiter in Richtung Westen. Als wir dann am Ende der Woche wieder in Sami sind, bekommen wir abends auch noch überraschenden Besuch von Lea und Leo und wieder mal sitzen wir sehr lange im Cockpit. Am nächsten Tag heißt es für Ute und Michi wieder ab in die Heimat und wir entschließen uns noch einen Tag in Sami zu bleiben. Diese Entscheidung hat sich als sehr gut erwiesen, denn wir kriegen ein mordsmäßiges Gewitter bei dem ich nicht um viel Geld irgendwo draußen unterwegs sein möchte.

Oktober, 2005

Überhaupt beginnt jetzt eine sehr unstabile Wetterphase. Es regnet und gewittert relativ oft und die Sonne zeigt sich nur selten. Allerdings ist es nicht kalt, aber zum Baden lädt das Wetter auch nicht ein. So nehmen wir noch mal Kurs auf den Golf von Korinth und haben auch ein paar tolle Segeltage. Allerdings auch Tage an denen wir uns im Hafen verstecken, weil es so stark regnet bzw. stürmt. Es baut sich hier im Golf eine recht hohe Welle auf, sodass das Segeln, auch bei achterlichem Wind, kein Honiglecken ist. Schön langsam geht dann auch für uns die Saison zu Ende. Wir machen uns auf den Weg nach Nidri, auf der Insel Lefkas, wo wir unsere Independence überwintern lassen wollen. In einer Bucht, der sogenannten Tranquill Bay,  gibt es eine Möglichkeit, das Boot ohne Marina zu überwintern. Wir fahren die Independence erst ganz behutsam und dann mit Vollgas, wobei von hinten noch ein Dingi kräftig anschiebt, in den Schlamm. Hier steckt sie nun, hat einen Anker vorne und einen Anker hinten ausgebracht und wartet bis wir wiederkommen. Allerdings ist das Boot nicht ganz alleine dort, denn es gibt dort einen Engländer, der sich auf Überwinterungen dieser Art spezialisiert hat und der passt drauf auf. Das heißt er startet von Zeit zu Zeit den Motor um die Batterien nicht ganz zu entleeren, prüft, ob die Anker in Ordnung sind und bringt notfalls noch Leinen aus um das Boot zu sichern.

Wir machen noch alles winterfest, putzen, checken und reparieren und dann geht es mit der Fähre nach Österreich um rechtzeitig bei der Taufe meines zweiten Neffen Mathias dabei zu sein.  Doch als es am Sonntag, dem 15. Oktober soweit sein sollte ist der arme Kleine leider krank und die Taufe muss verschoben werden. Naja, wenigstens konnte ich ihn und meinen großen Neffen Maximilian wieder mal ordentlich drücken.