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Mai 2006

So, es ist mal wieder so weit. Nik und ich sind seit dem 28. April wieder in Griechenland. Heuer sind wir zwar etwas später dran, Nik musste wegen eines Tinitus` noch eine Woche ins Krankenhaus, aber wir haben festgestellt, dass es eigentlich in diesen Breitengraden früh genug ist. Im April gab es noch sehr viel Regen, und auch die erste Woche hier war noch relativ unbeständig, aber jetzt haben wir meistens blauen Himmel und viel Sonnenschein. Nur das Meer muss sich noch erwärmen, 19 Grad sind uns eindeutig zuwenig.

Die etwas unkonventionelle Weise, unser Schiff im Schlamm steckend zu überwintern hat gut funktioniert und es gab keine Zwischenfälle. Allerdings war die Independence bereits am Kai, als wir hierher kamen und so haben wir leider nicht gesehen, wie sie das Boot aus dem Schlamm holen. Wir sind dann weiter nach Spartachorion gefahren um hier im „Porto Spilia“ die Reinigungs- und Polierarbeiten zu machen. Denn hier gibt es einen niedrigen Steg sowie Wasser und Strom und der Wirt in diesem Hafen, Babis, war sehr zuvorkommend und wir haben für das Ganze nur ein paar Euro bezahlt. Nik musste auch tauchen um das Unterwasserschiff zu kontrollieren und die Schiffsschraube vom Bewuchs zu befreien.

Dann gings weiter nach Keffalonia in das kleine Hafenstädtchen Sami. Hier besuchten wir österreichische Segelfreunde, welche sich in diese Insel verliebt und kurzerhand ein Haus gekauft haben. Im Winter waren sie in Österreich um ihren Haushalt aufzulösen und sich von Familie und Freunden zu verabschieden. Dann wurden alle Habseligkeiten in einen Container verpackt und hierher verschifft. Jetzt leben sie in einem sehr schönen Haus mit Swimmingpool und Blick auf die Bucht von Sami.

Mit ihnen machten wir auch einen Ausflug über einen Teil der Insel. Es gibt hier sehr hohe Berge, der Ainos (Freunde des Buches „Corellis Mandoline“ kennen ihn) zum Beispiel ist über 1600 Meter hoch, ihr Hausberg, quasi. Uns ist eines extrem aufgefallen, und zwar ist die Insel sehr sauber. Im Gegensatz zu anderen Gegenden wo speziell neben den Straßen alles an Unrat zu finden ist, das man sich vorstellen kann, Plastik, Papier, alte Haushaltsgeräte, und natürlich Mist, der so aus dem Autofenster geworfen wird, liegt hier nirgendwo etwas herum. Es ist wunderschön und jetzt blühen die Mohn- und Wiesenblumen und der Ginster in rauen Mengen.

Weiter gings über Kyllini, Methoni und Kavio um den Peloponnes herum. Diese Orte sind wir schön öfters auf unserer Route von der oder in die Ägäis angelaufen, sodass sie für uns zwar schön, aber trotzdem nur mehr Mittel zum Zweck, sprich sichere Ankerplätze, sind. Nicht so weiter im Osten. Wir besuchten zum ersten Mal die Ortschaft Monemvassia. Diese liegt auf einem hohen Inselfelsen, welcher dem Peloponnes vorgelagert und nur durch eine Brücke mit diesem verbunden ist. Diese Brücke konnte bei Bedrohung oder Feindangriff hochgezogen werden. Monemvassia besteht aus der Ober- und der Unterstadt. Während die Oberstadt, welche der Verwaltung und den Schönen, Reichen und Mächtigen vorbehalten war, nur mehr aus Ruinen besteht, ist die Unterstadt wunderschön restauriert und bewohnt. Sie ist absolut autofrei, und man kann ungehindert durch die schmalen Gässchen flanieren. Wenn man von der Oberstadt runter blickt hat man eher das Gefühl auf eine toskanische Stadt zu schauen denn auf eine Griechische. Die Häuser sind aus lehmfarbigen Ziegeln bzw. aus Steinen der Umgebung gebaut und mit roten Ziegeldächern gedeckt. Dazwischen blüht es in allen Farben.

Als wir dann am nächsten Morgen aufbrechen wollten um weiter Richtung Norden zu segeln fielen sehr starke Windböen von den Bergen ringsum auf uns ein. Wir hatten schon überlegt, einen Tag länger im Hafen zu bleiben, denn Böen bis Beaufort 6 im Hafen versprachen eigentlich noch mehr Wind für die offene See. Naja, aber nicht so hier. Wir entschieden uns auszulaufen, denn schließlich wollen wir ja segeln und nicht motoren, und siehe da, nach einer halben Meile war kein Wind mehr da. Ganz toll – wir sind die 20 Meilen bis Kyparissi, unserem nächsten Übernachtungsstopp, motort.

Am nächsten Tag war der Wind wieder da und wir segelten bis nach Spetsai. Eine kleine , dem Peloponnes vorgelagerte Insel mit regem griechischem Tourismus. Der gleichnamige Hauptort ist ein Naherholungsziel für viele Athener. Es wimmelt hier von Cafes, Tavernen und Souvenierläden. Und da es sehr viele betuchte Athener gibt, findet man hier auch einige Designerläden. Nach einem Zwischenstopp am nächsten Tag in Porto Cheli, wo ein österreichisches Pärchen eine Yacht Service Station und Werft übernommen haben, segeln wir weiter zur Insel der Künstler, Hydra. Es gibt eigentlich nur den einen Ort hier und die Gässchen sind eng, idyllisch und recht steil den Hügel hinauf und da ergibt es sich von selbst, dass es hier keinen motorisierten Verkehr gibt. Auch der Hafen ist sehr klein und doch finden alle Yachten die hierher kommen, und das sind nicht zu wenige, einen Platz. Die Boote liegen alle mit Buganker und Heck zum Kai, und davor noch eine Reihe mit Heck zum Hintermann, und davor noch eine 3. Reihe mit Heck zum Hintermann. Wir waren mittendrin in der 2. Reihe. Das Aussteigen wird dann immer lustig. Man klettert von einem Schiff zum nächsten und versucht so zum Kai zu kommen. Alles geht, wenn man will. Natürlich kommen die von den Booten vor uns über unser Deck und es gibt immer so nette Zeitgenossen, die dann ganz selbstverständlich mit den Straßenschuhen drüber marschieren. Na und vom Ankersalat im Hafenbecken ganz zu schweigen. Unserer wurde insgesamt 3 mal von anderen mitgenommen sodass er zum Schluss nur mehr als Zierde ins Wasser hing und wir mittels Leinen am Vordermann hingen.

Wir hatten leider ein Problem mit unserer Großreffanlage. Das Segel ließ sich nicht rausziehen und wir dachten, dass wir in Athen sicher die notwendigen Ersatzteile kriegen. Am Weg dorthin, es war ca. 8 Uhr morgens, öffne ich die Bodenbretter,  um ein paar Flaschen Wasser rauszuholen, da trifft mich doch gleich der Schlag. Es stehen schon mindestens 10 cm Wasser im Schiff, Salzwasser wie sich mittels Fingerabschleck-Test leicht feststellen lässt. Nik hat dann entdeckt, dass eine Dichtung bei unserer Kühlwasserpumpe undicht ist. Gut dass wir nach Athen fahren, dort kriegen wir auch das repariert. Da wir den Raum unter den Bodenbrettern aber als Stauraum nützen, hieß das für mich alles ausräumen ( unter anderem so ca. 150 Flaschen Wasser und,und,und.... ) und trockenlegen. Da das Wasser aber mit Öl verschmutzt war musste alles extra noch abgewaschen und getrocknet werden. Super, statt Sightseeing gab es einen Tag lang putzen ............ aber was soll`s wir kennen Athen ja schon und außerdem haben dazu auch noch die Taxis gestreikt!

 

 

Juni 2006

Mit Athen ließen wir die Massenansammlungen dann für eine Weile hinter uns den nun ging`s in den Golf zwischen Festland und Euböa. Diese Insel, übrigens die zweitgrößte Griechenlands nach Kreta, ist vom Tourismus noch weitgehend unberührt und dementsprechend öde sind so manche Ortschaften. Die Insel ist relativ kahl und von einem hohen Gebirgsmassiv der Länge nach durchzogen. Gespenstisch wirken die Windräder auf so manchem Bergrücken.

Nachdem wir zu dieser Zeit kräftigen Südwind hatten, entschlossen wir uns die Sporaden zu überspringen und über Skyros nach Thassos in den Norden zu segeln. In Skyros ankerten wir in einer kleinen Bucht, die gut gegen Südwinde geschützt war und wir stellten uns auf eine ruhige Nacht ein. Aber meistens kommt es anders als man denkt. Um 3 Uhr 30 wurden wir wachgerüttelt, der Wind hat auf Nordwest gedreht und drückte nun eine ordentliche Welle in unsere Bucht hinein. Da war an Schlaf nicht mehr zu denken und so sind wir eben früher als geplant losgesegelt. Im Stockfinsteren haben wir mit Scheinwerfer und Radar zwischen den Felsen und Untiefen aus der Bucht herausgesucht.

In einem Hafen im Süden von Thassos trafen wir Nik`s Schwester und Schwager, welche hier mit Freunden Urlaub machten. Leider hat das Wetter nicht so mitgespielt und wir hatten viele Wolken und auch ordentlichen Regen. Die Temperatur sank sogar auf 16 – 19 Grad tagsüber und wir haben sogar eingeheizt. Als am nächsten Tag die Sonne schien sind Nik und ich eine Stunde mit dem Bus nach Thassos Stadt gefahren. Dort war allerdings von Sonne keine Spur. Es regnete und es wehte ein kalter Wind und nach einer Stunde im Cafe sind wir mit dem Bus wieder zurückgefahren. Außer einer mordsmäßigen Erkältung meinerseits hat uns dieser Ausflug nicht viel gebracht. Dann hieß es wieder Abschiednehmen und wir machten uns auf den Weg Richtung Süden. Ein paar Tage verbrachten wir in einer einsamen Bucht auf Chalkidiki und dann ging`s weiter in den Süden zu den nördlichen Sporaden. Das ist die Inselgruppe um Skiathos, Skopelos, Alonnisos und ein paar kleinerer unbewohnter Inseln.  Das Wasser war glasklar und angenehm warm und wir lagen auf Skiathos 3 Tage in einer Bucht, die angeblich den schönsten Strand der Ägäis haben soll – kann ich mir schon vorstellen. Breiter Sandstrand umrahmt von einem Wald von Pinien und der Sand glitzert am Ufer. Auf  Skiathos war es allerdings sehr touristisch. Den ganzen Tag Bananaboats, Wasserski, Ausflugsdampfer.... aber am Abend war es herrlich ruhig. Außer in Skiathos – Stadt, da ging`s abends erst richtig los. Es gab dort eine tolle Lokalszene für jeden Geschmack etwas dabei allerdings ging es rund bis halb fünf Uhr früh und ohne Ohropax war an schlafen nicht zu denken.

Mit den Reparaturen an Bord geht es munter weiter. Nik verzweifelt schon langsam, denn kaum hat er die Lösung für ein Problem gefunden, taucht schon wieder das nächste auf. Aber mein „Daniel Düsentrieb“ hat bis jetzt noch für alles eine Lösung gefunden.

Von den nördlichen Sporaden segelten wir in Richtung Südosten, mit dem Wind im Rücken, über Skyros und Psara, wo es ein Glas Ouzo noch um sagenhafte 1 Euro gab ( wir haben auch schon 5 Euro bezahlt, wo nicht mal annähernd soviel im Glas drin war) und Chios nach Samos. Laut Wetterbericht sollte jetzt eine Starkwindphase auf uns zukommen mit Windstärken bis zu 10 Beaufort aus nördlichen Richtungen, das ist schon Sturmstärke. Der Wind würde uns keine Sorgen machen aber die dadurch bedingten 3 m hohen Wellen können das segeln schon recht ungemütlich machen. Und so entschieden wir uns für eine kleine Bucht im Süden von Samos um dort abzuwarten, bis der Wind wieder etwas nachließ. Hier kamen wir auch dazu ein kleines Leck in unserem Beiboot zu finden und zu kleben und ebenso musste ein Stück des UV – Schutzes beim Segel genäht werden..........

 

Juli 2006

Die Starkwindphase hat den ganzen Juli über angehalten. Nachdem wir uns ein paar Tage auf Samos davor versteckt haben bis die Sturmwarnungen vorbei waren, gings dann weiter in den Süden. Ein paar unbekannte Inseln wie z.B. Agathonisi, hier sind wir erst mal vor Anker gelegen und haben gewartet, bis der Wassertanker fertig war und sind dann an der Pier längsseits gegangen und Arki. Hier trifft man noch keine Charteryachten obwohl man sehr geschützt liegt. In Arki gibt es drei Tavernen und man kann zu einer kleinen Kirche am Hügel spazieren. Das ist aber auch schon alles. Gegenüber liegt die noch kleinere Insel Maratho und hier macht man an Bojen fest. Morgens war die Bucht sehr idyllisch aber dann kam ein Boot nach dem anderen und die Bucht war brechend voll. Danach segelten wir, begleitet von 3 großen Delphinen, zur Insel Patmos. Von weitem sieht man schon die weißen Häuser der Stadt und darüber am höchsten Punkt steht ein schönes Johanniter – Kloster, welches heute noch von Mönchen bewohnt ist und natürlich auch besichtigt werden kann. Wir verbrachten einige Tage in Patmos, tagsüber in einer Bucht zum Baden und abends gings wieder zurück in den Hafen. Wir sind dann weiter nach Lipsi , dort haben wir vor 7 Jahren schon eine Lampe fürs Wohnzimmer gekauft. Eine Nacht sind wir sehr ruhig gelegen, da ist der Wind eingeschlafen und die nächste Nacht hat es uns wieder gebeutelt. Nichts  wie weg und auf nach Leros. Die erste Nacht verbrachten wir in der Nordbucht dann gings weiter erst in die Bucht Panteli, und nach einem Telefonat mit „Second Lady“ fuhren wir noch nach Lakki, dem Hauptort und suchten uns mit der Besatzung der Second Lady gemeinsam ein Lokal fürs Abendessen. Die Auswahl dort ist recht spärlich, überhaupt wirkt dieser Ort wie ausgestorben. Wir bleiben nur eine Nacht und fahren dann zurück nach Panteli, dort liegt man auch sehr gut, man kann schön schwimmen und der Hauptort Platanos liegt auf einem Hügel und sieht wunderschön aus.

Zum Thema Reparaturen gibt’s natürlich wieder was zu erzählen. Durch Zufall hat Nik entdeckt, dass unsere Ankerkette ein offenes, sprich an der Schweißnaht gebrochenes, Glied aufweist. Beim Austauschen haben wir die ganze Kette richtig kontrolliert, man weiß ja nie, und haben noch einige schon gebrochene oder bald zu brechen drohende Glieder entdeckt. (Sollte normalerweise nicht passieren, haben wir auch noch nie davon gehört). Auf Leros gabs Gott sei Dank eine Werft, welche Niro schweißen konnte.

Im Großen und Ganzen  war der Juli super-windig aber dadurch spürte man auch die Hitze nicht. In der letzten Juliwoche hatten wir noch Freunde aus Graz zu Besuch. Christa und Josef mit Sohn Gabriel. Wir hatten eine schöne Woche nur leider haben die Fische nicht ganz mitgespielt, denn die haben nur den Köder von der Angel geknabbert und sind dann wieder verschwunden. Aber einen Jagderfolg gab es, denn eines späteren Abends, Josef hatte einen Köder für einen Conga – Aal ausgelegt, zupfte es doch tatsächlich an der Angel und wir fischten einen jungen Aal heraus.

Bei einem Kurzausflug in die Türkei haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt und Marillen eingekauft. Wir haben geschleppt wie die Blöden, ABER , wir haben 40 Gläser Marmelade gemacht!!!!!  Außerdem fanden wir eine sehr günstige Wäscherei und haben all unsere Wäsche gewaschen.

 

 

August 2006

Nach unserem Türkeiausflug blieben wir noch eine zeitlang im Dodekanes, den ostgriechischen Inseln. Sogar einen Marinaaufenthalt haben wir unserer Independence gegönnt. Und eine Süsswasserwäsche von oben bis unten. Man konnte sie förmlich jubeln hören weil mal all das Salz abgewaschen wurde. Allerdings, kaum steckten wir die Nase wieder raus aufs offene Meer, war alles wieder vergebliche Liebesmüh, denn wir wurden wieder von überkommenden Wellen vollgespritzt.

Im August war Gregor mit drei Freunden bei uns zu Besuch und anschließend waren auch noch meine Eltern für eine Woche hier. Wir hatten schönen Segelwind und auch wunderschöne Ankerplätze zum schwimmen, schnorcheln, fischen ......

Nach ein paar Tagen im Stadthafen von Rhodos war es dann wieder an der Zeit weiter zu segeln. Wir steuerten die nächstliegende Bucht von Lindos an. Hier fühlten wir uns wie in einer Badewanne. Das Wasser hatte 29°C und die Luft sagenhafte 39°C im Schatten. Kein Lüfterl regte sich, wir hatten das Gefühl dahin zu schmelzen. Da half nur eines, rein ins Wasser und solange drinbleiben, bis die Haut runzlig wurde. Nachts schliefen wir an Deck denn in den Kajüten war es eindeutig zu heiß.

Weiter gings dann nach Karpathos in die Amorphos Bucht vor Anker. Langsam verließen wir die typischen Seglerrouten, denn hier waren wir schon das einzige Boot in der Bucht. Wie wir feststellten, machen auf Karpathos viele Steirer Urlaub, denn etliche kamen zu uns rausgeschwommen auf ein Tratscherl oder auch nur auf ein Hallo. Danach motorten wir zur nächsten Insel Kassos. Man sollte meinen, hier gibt es nun überhaupt keinen Tourismus mehr, ausser ein paar Griechen, denkste, unsere Steiermark Flagge wurde gleich gesehen, und wieder unterhielten wir uns mit 3 Landsleuten. Aber das waren so ziemlich die einzigen ausländischen Touristen hier. Im großen , neuen Hafen konnten wir festmachen und noch mal Wasser bunkern, denn nun gings auf zum nächsten großen Ziel, auf die Insel Kreta.

Der Wetterbericht war gut, sagte 6 Beaufort aus nordwest voraus, ideal für unsere Fahrt nach südwest. Und so war es dann auch, wir hatten viel Wind, leider auch eine ziemlich hohe Welle, und so mussten wir die meiste Zeit selber steuern, denn das war unserem Autopiloten dann doch zuviel. Es wurde eine harte Überfahrt und die Logge (Geschwindigkeit) zeigte immer um die 7- 8 Knoten an. Eine richtige Rauschefahrt, aber wir waren auch ordentlich nass dabei geworden, denn so manche Welle brach sich an unserem Schiff und wusch über uns drüber.

Jetzt sind wir auf Kreta, in Ierapetra, und warten auf die Ankunft meiner Schwester Sandra und Freund Mario. Wird sicher wieder eine lustige Woche. Allerdings wird nichts aus warten und faulenzen, denkste, die nächsten Reparaturen stehen schon wieder an. Nik entdeckte bei einem Tauchgang, dass schon wieder neue Glieder der Ankerkette einen Riss bekommen haben. Natürlich ist niemand hier, der das (Niro-) schweissen kann. Also werden die kaputten Glieder rausgeschnitten und ein Ersatz- Verbindungsglied eingearbeitet. Das ist nicht alles, denn gestern entdeckten wir auch noch einen langen Querriss bzw. eine offene Naht in unserem Grosssegel. Also Segel runter, das natürlich ausgerechnet jetzt auch noch stecken muss und wir eine Ewigkeit dran arbeiten müssen, dass wir es runter kriegen. Wir fangen gleich nach dem Frühstück damit an, da gibt’s noch keinen Wind. Allerdings haben wir schon 30°C und 74% Luftfeuchtigkeit. Ja, es ist heiss hier, übrigens ist Ierapetra die am südlichsten gelegene europäische Stadt. Sogar noch südlicher als die afrikanischen Städte Algier oder Tunis. Durch Zufall und mit Hilfe eines Franzosen, welcher hier 3 Monate Urlaub macht, fanden wir auch gleich jemanden, der unser Segel nähen kann.

Mittlerweile ist auch die Woche mit Sandra und Mario vorbei. Gleich am ersten Tag hatten wir „Action“. Wir sind zu einer kleinen Insel im Süden von Kreta gefahren und wollten dort ankern und anschließend baden, in der Sonne liegen usw. Beim ersten Ankermanöver hielt der Anker schlecht denn der Boden ist dort sehr hart also machten wir einen 2. Versuch indem ich zum Anker tauchte und diesen in den Boden drückte und Nik im selben Moment mit dem Boot etwas anzog. Genau in dem Moment reißt unsere Ankerkette. Gott sei Dank hatten wir noch unsere alte verzinkte Ankerkette sodass wir diese als Ersatz hernehmen konnten und den Anker haben wir wieder raufgetaucht ( 4 Taucher an Bord – das war kein Problem) . Nochmal gutgegangen. Nicht auszudenken, wenn die Kette bei Starkwind reisst und wir womöglich alle schlafen und dann ...........

Pünktlich mit Anfang September hat es auch hier angefangen zu „herbstln“. Tagsüber ist es nach wie vor heiß aber abends, wenn Wind geht, braucht man schon einen Pullover. Allerdings ist das Wasser noch super warm, so an die 26° - 27°C.

Wir haben nunmehr den südlichsten Punkt unserer Reise, Ierapetra, hinter uns gelassen und langsam aber sicher geht es jetzt wieder , nachdem wir Kreta`s Südküste genossen haben, in Richtung Norden.

Und dass es hier sehr stürmisch zugehen kann zeigt der folgende, von Nik verfasste Bericht in Sachen 11 Beaufort:

 

Unser erster 11-er

Nachdem euch Ines immer mit unseren „Sailmails“ verwöhnt und Ines bei mir immer kritisiert, dass ich emotioneller sein könnte, versuch ich es heute mal aus mir herauszugehen, da heute doch etwas passierte, das mich beeindruckt hat.

 

Manche werden sich schon Gedanken gemacht haben, was die blöde Überschrift soll.

Die meisten wissen, dass ich / wir mit Fußball absolut nichts am Hut haben und da wir auch nicht TOTO spielen, kann es nur mit segeln zu tun haben.

 

Es ist Mittwoch, der 6. September 2006 in Ag. Galini, an der Südküste Kreta’s.

Obwohl Ines gerade im letzten sailmail geschrieben hat, dass der Herbst mit 1. September begonnen hat, ist es doch wieder recht heiß geworden (auch abends).

Vor zwei Tagen haben wir Sandra und Mario nach einer fast „segelfreien“ Woche wieder zum Flughafen gebracht, Vorräte sind aufgefüllt, die INDEPENDENCE mit Süßwasser gewaschen und wir reif für neue Taten.

Gestern im Internetcafe haben wir uns noch die letzten Wetterdaten von „Poseidon“ geholt:

0-2 Bft auf unserer Route Richtung Westen nach PLAKIAS ( ca. 17 sm)

Naja, dass wir an der Südküste viel motoren müssen, damit haben wir uns schon abgefunden und auch die letzte Woche mit Sandra war ja auch so.

Also nix wie raus aus dem Hafen, ein leichtes Lüfterl aus West, Segel rauf, wir haben ja Zeit auch wenn wir aufkreuzen müssen. Der Wind dreht, schläft ein, kommt wieder, Segel rauf und runter, der Plotter zeigt den Kurs eines Besoffenen. Bald habe ich die Schnauze voll und sage zu Ines: „Du oder Motor“ und somit spielt sich Ines weiter, bis auch sie resigniert und den Motor anwirft.

Eineinhalb Stunden nach dem Auslaufen aus dem Hafen wieder ein 3-er auf die Nase, also wieder Segel setzen.

Um 13:00 Uhr sehen wir voraus einen weißen Strich auf dem Wasser: hurra, dort, nach dem Strich ist Wind!

Im Bewusstsein, dass wir uns an Kreta’s Südküste befinden und die Fallböen dort recht heftig und gefährlich sein können reffen wir unser Großsegel vorsorglich.

Wenig später haben wir anstatt der 9- 10 kn Wind 30 – 45 kn dwars (von der Seite); so weit so gut, dann also ab mit der Post.

Obwohl wir niemals weiter als 2 Meilen von der Küste weg sind (und der Wind kommt von der Küste) baut sich schnell ein hoher Seegang auf (4-5-er). Auch kein Problem: die Wellen, die sich am Bootsrumpf schlagen und hochspritzen kühlen uns (trotz Sprayhood) immer wieder ab.

Dann geht der Reißverschluss der Biminibefestigung auf, allerdings an der falschen Seite!

Rasch alles klarieren; nachdem was heuer schon alles kaputt wurde ist das eine Kleinigkeit.

 

Nun nimmt der Wind ständig zu. Hatten wir davor nur ab und zu Böen mit 10 Bft !!!

(für die Nichtsegler: 48- 55 kn bzw. ca. 100 km/h),

sind die 10 Bft nun ständig da und in Spitzen haben wir 60 knoten Wind ( 11Bft).

Rundherum ist die See weiß, Wasser fliegt horizontal über die Wellen, Willi, unser Beiboot, das hinten an den Davits hängt, ist natürlich längst ausgezogen (Schutzanzug) und fliegt in der Luft herum, soweit seine Festmacherleinen das zulassen. Die am Rumpf brechenden Wellen spritzen gute 10 Meter in die Höhe und versauen das Boot und uns, die mittlerweile schon in der Ölzeugjacke am Steuerrad Dienst schieben; Kapuze und Sonnenbrille auf, da das auf der Haut auftreffende Wasser richtig weh tut.

Nach jeder Salzwasserdusche Augen ausdrücken, Brille innen und außen einfach mit der Hand abwischen und dann die Instrumente ebenfalls.

 

Auf Höhe unseres Ziels Ormos Plakias die einstimmige Erkenntnis: „Hier zu ankern können wir bei DEM Wind vergessen!“

Also weiter zum neuen Hafen SPHAKION, weitere 13 sm....

Kurz vor dem Hafen fängt das GPS zu spinnen an, fällt mehrmals aus und zeigt unmögliche Positionen!

Wir nehmen die restlichen Segel runter (das Vorsegel war ohnehin nur mehr 2-3 m2 groß) und der Wind hat „nur mehr“ 25 kn. Allerdings würde er uns längsseits an einen für die Independence zu kurzen Molenkopf drücken. Auch nicht optimal.

Zudem, bevor wir hier hineinfuhren glaubten wir zu sehen, dass vor dem weitere 3 sm entfernt liegenden LOUTRO wieder ein Strich im Wasser war und danach KEIN Wind. Glauben konnten wir es zwar nicht, aber schauen wir mal nach.

Tatsächlich, kurz vor LOUTRO: Kein Wind mehr. Allerdings ist unser alter Anlegesteg, an dem wir zuletzt 2002 festgemacht haben teilweise eingebrochen und ankern in dieser schmalen, tiefen Bucht: vergiss es!

Also auf zur letzten Alternative Ormos PHOINIKAS, auf der Rückseite von LOUTRO.

Hier auch kein Wind aber etwas Schwell, man kann nicht alles haben!

Nach der Suche eines geeigneten Ankergrundes machen wir eine Bestandsaufnahme:

das ganze Boot, das zusammengezurrte Bimini, Sprayhood und wir selbst sind mit einer dicken Salzkruste paniert, die neu genähte Nationalflagge ist deutlich angenagt, in der Gästekabine war eine Luke nicht ganz zu (macht Mode bei uns), Reißverschluss Bimini und Willi sind wieder herzurichten.

 

Somit Boot mit Salzwasser abgespült, selbst ins Wasser gesprungen und ein gutes (schon am Vortag vorbereitetes) Moussaka gespeist.

 

Sobald es finster wurde, fiel Ines erschöpft in die Koje und ich versuche den Tag festzuhalten.

 

Obwohl wir schon sehr oft und gerade diesen Teil von Kreta sehr lange besucht hatten, haben wir es heute von einer ganz anderen Seite kennen gelernt.

Jedoch von der Abgeschiedenheit und Schönheit dieser Südküste haben sich unsere alten Eindrücke bestätigt. Und die freundlichen Leute in unserem geliebten Palaiochora haben uns wieder für alles entschädigt.

 

Die große Überraschung für mich war der extrem starke Wind und die klare Abgrenzung  zu keinem Wind auf kürzester Entfernung. Ich kann es immer noch nicht glauben.

Positiv überrascht hat mich die Erkenntnis, dass man auch noch bei 10- 11 Bft. segeln kann auch wenn uns die relativ moderaten Wellen durch die Leeküste geholfen haben.

Am nächsten Tag funktioniert das GPS wieder, als wäre nichts gewesen! Da dies nun schon zum zweiten Mal in ähnlichen Situationen passiert ist, können wir für uns nur resümieren:

-         verlass dich nie auf ein GPS und

-         verlass dich nie auf einen Wetterbericht

 

 

 

September 2006

Der September in Griechenland kann schon recht launisch sein. Wir hatten nach unserem Sturm an Kretas Südküste in Paleochora (auch noch an der Südküste) eine Pause eingelegt. Dieses Städtchen hat schon vor vielen Jahren unser Herz gewonnen und wir haben immer wieder dort vorbeigeschaut. Wir planten so 4 Tage ein aber der starke Wind sorgte dafür, dass wir letztendlich doch 6 Tage dort blieben. Mit uns noch 3 andere Segelboote und sogar das riesige Schiff der Coast Guard hat sich dort versteckt. Am 6. Tag jedoch mussten wir weiter, denn wir erwarteten Besuch in Chania. Unsere Gäste aus dem Burgenland, Ute und Michi, waren wieder angesagt und nachdem die beiden Seemeilen für ihren Segelschein brauchen stand eine starke Woche bevor. Doch leider meinte es Aeolus, der Gott des Windes nicht gut mit uns denn wir hatten leider eine sehr windschwache aber nichtsdestotrotz  schöne Woche.

Die beiden reisten an einem Samstag Morgen ab und schon war für die kommende Nacht guter Wind angesagt, sodass wir uns für eine Nachtfahrt an den Peloponnes entschieden. Na , und wie so oft war der Wind stärker und aus der falschen Richtung und es gewitterte ordentlich rundherum. War wieder mal eine lange Nacht...............

2 Tage später war Südwind angesagt – super für unseren Weg nach Norden. Wir machten uns frühmorgens auf den Weg und wollten gleich eine ordentliche Strecke zurücklegen. Ständig blies der Wind mit 30 bis 45 Knoten, das alleine ist eine tolle Sache wenn er von hinten kommt, allerdings waren die Wellen dermaßen hoch, wir schätzen so mind. 3 Meter, dass wir 3 mal fast quergeschlagen wären. Wir haben dann die Fahrt kurzerhand unterbrochen und sind in den nächstliegenden Hafen Katakolon eingelaufen. Hier haben wir im Hafen geankert, da das Wasser im Hafen viel zu unruhig zum Anliegen war. In der Nacht beruhigte sich aber das Wasser im Hafen und der (wahrnehmbare) Wind wurde schwächer, sodass wir am nächsten Tag versuchten weiterzufahren. Es blieb beim Versuch! Die ersten Meilen mussten wir gegen riesige Wellen ankämpfen und als wir schließlich durch eine Welle durchtauchten (inklusive Wasserfall im Niedergang) kehrten wir um. Hier haben wir dann noch einen Tag abgewartet und als sich die See beruhigt hatte gings weiter Richtung Norden. Nach einem Treffen mit Seglerfreunden aus der Steiermark in Preveza haben wir auch die letzte Etappe für dieses Jahr bis Mourtos / Sivota Inseln hinter uns gebracht. Unsere Independence liegt heuer wieder in einer ruhigen (so hoffen wir) Bucht, aber diesmal steckt sie nicht im Schlamm, sondern ist mit 5 Mouringleinen fixiert.

Als Resümee dieses Jahres können wir sagen, dass die Ägäis ein wunderschönes aber beileibe kein leichtes Segelrevier darstellt. Wir hatten enorm viel Wind, sogar einige Stürme und dies hat auch hohe Anforderungen ans Material gestellt sodass z.B. unsere sämtlichen Segel derzeit beim Segelmacher sind und über den Winter repariert bzw. nachgenäht werden müssen.

 

Wir beide sind mittlerweile wieder in Österreich angekommen und genießen das wunderschöne Herbstwetter.