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Das Logbuch der S/Y-Independence

 

Eintrag vom

 

06.05.2003

 

Wir sind jetzt seit gut zwei Wochen unterwegs. Anfangs dachte ich, daß wir des öfteren unsere Heizung anwerfen müssen. Doch das Wetter war in der letzten Aprilwoche schon recht sonnig und warm und abends hat dann auch ein Rumtee eingeheizt. Und jetzt Anfang Mai ist es schon so warm, dass wir ohne unser Bimini (Sonnensegel) schon gar nicht mehr auskommen. Es ist unglaublich, aber hier ist schon richtig Sommer. Lufttemperatur 30 Grad und Wassertemperatur, je nach Tiefe, zwischen 18 und 20 Grad.

 

Wir sind also von Kemer losgefahren und unser erstes Ziel war die Bucht von Kekova. Diese Bucht ist fast rundherum vom Land eingeschlossen und noch dazu ist vor der Einfahrt eine Insel vorgelagert, sodass man hier richtig gut geschützt liegt. Wir trafen uns dort auch wieder mit Britt und Bernd von der Second Life. Es gibt dort auch „Hasan`s Restaurant“ – laut Reklametafel der beste Koch vom Mittelmeer ( der Nachbar ist der beste Koch weit und breit!). Hasan serviert allerdings eine wirklich ausgezeichnete Fischsuppe. Und der beste Service überhaupt ist, dass morgens gegen halb neun, ein kleines Motorboot durch die Bucht fährt und frisches Brot für das Frühstück austeilt. Und das noch dazu kostenlos. Naja, auch eine Art von PR, und für uns eine sehr willkommene.

Nach knapp einer Woche verlassen wir Kekova und segeln weiter über Kas , Kalkan und Gemiler in die Bucht von Fethiye. Der Wind ist gar nicht so schlecht und wir können auch gute Strecken unter Segeln machen. Kurz vor Gemiler stoppt die Küstenwache unser Boot. Erst werden wir über UKW auf Kanal 16 gerufen und zu ihrem Schiff gebeten. Dann rufen sie uns zu, dass wir uns nahe an der Küste halten sollen, denn in diesem Seegebiet sind heute Übungen mit scharfer Munition im Gange. Wir halten uns an die Anweisungen, sehen aber kein einziges Marine Boot. Allerdings sind ordentliche Donnerschläge zu hören und wir sind eigentlich froh, soweit von den Schiffen entfert zu sein, damit wir sie nicht sehen können.

 

In der Stadt Fethiye halten wir uns nur einen Abend auf. Das hier dürfte ein richtiges Touristenzentrum sein. Massig viele Gulets liegen an den Kais und Preise in den Restaurants und Bars zum Davonlaufen. Unser nächstes Ziel ist die Gegend um Göcek. Hier gibt es unzählig kleine und große Buchten. Manche unbewohnt, manche mit kleinen Tavernen. Rundherum sind die Berghänge bis zum Ufer hin bewaldet und das Wasser ist schön und klar. Am Abend dann, wenn die Invasionszeit der Gelsen vorbei ist, ist der Himmel voller Sterne und man hört weit und breit keinen Laut, außer mal das Schreien eines Kautzes oder das Meckern einer Ziege.

 

Über UKW Funk sind wir informiert, dass hier in der Gegend einige Boote sind, welche in Kemer mit uns überwintert haben. Darunter auch ein riesiger 57 Fuß langer Katamaran namens „Vision“, mit Tari und Frank an Bord. Heute ist Franks Geburtstag und es ist geplant, bei ihnen an Bord eine Party steigen zu lassen. Vision organisiert Fleisch und jeder der kommt bringt Salat oder etwas Süßes und eine Flasche Wein mit.

Im Endeffekt waren auf der Vision die Besatzungen von 9 Schiffen, 23 Personen aus 7 Nationen. Deutschland, Österreich, Schweden, Holland, England,Türkei und Amerika. Es wird ein wirklich multikultureller Abend und ein gelungenes Fest. Wenn ich mir vorstelle, 23 Personen auf der Independence .................... na dann, Gute Nacht! Aber auf dem riesigen Kat war es richtig gemütlich.

 

14.05.2003

 

Wir bleiben noch einige Tage im großen Golf von Fethiye. Eines Morgens entschließen wir uns zu einer kleinen Wanderung. Wir marschieren über „Bergrücken“ in das Inselinnere und kommen nach ca. einer Stunde auf ein Hochplateau. Man hat immer so das Gefühl, daß es außer den Hafenorten nicht viel Leben gibt auf so kleinen Inseln. Doch hier fanden wir vereinzelt Häuschen vor. Ziegen, Eseln, Truthähne und ein paar Kühe. Also müssen hier auch Menschen wohnen. Wir gehen auf ein kleines Holzhaus zu, welches eher einem Bretterverschlag ähnelt, dessen Dach mit Ästen und einer Plastikplane gedeckt ist. Gleich daneben steht ein riesengroßer Olivenbaum. In dessen Schatten ist eine Terasse aus Holz gebaut und darauf liegen Decken und Sitzkissen. Eine junge Frau sitzt dort und als wir uns nähern, setzt sie auch gleich ihr Kopftuch auf. Dann kommt noch eine ältere Frau, die, wie sich später rausstellt, ihre Mutter ist obwohl sie eher wie ihre Oma aussieht. Die beiden laden uns auch gleich auf einen „Cay“ ( Tee ) ein. Und so sitzen wir nun im Baumschatten, trinken Tee und essen Oliven, selbstgemachtes Brot und Honig und versuchen uns zu unterhalten. Naja, meine Türkisch – Kenntnisse sind  vielleicht recht gut im Restaurant oder auf dem Markt. Aber zu Small-Talk fehlt noch einiges. Gut, es gibt ja auch noch Zeichensprache. Als wir uns dann dankend verabschieden zieht mich die „Oma“ noch zu sich herunter und küsst mich auf die Wangen. Danach setzt es noch einen ordentlichen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter und dann verlassen wir die beiden.

Es war ein wunderschöner Ausflug. Es herrscht eigentlich überall das Vorurteil, dass die Türken ein linkes Volk sind. Nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Doch wie wir mittlerweile schon öfter feststellen konnten, ist es tatsächlich nur in den touristischen Gebieten so. Aber wir sind überzeugt, das ist jetzt keine typisch türkische Haltung sondern das passiert überall dort, wo der Tourismus boomt. Die Menschen hier in der Türkei im Hinterland sind ausnehmend freundlich, höflich und gastfreundlich. Erst sind sie zwar sehr reserviert, doch mit ein paar Worten in ihrer Sprache schmilzt das Eis sehr rasch. Dann ist es gar nicht mehr wichtig in welcher Sprache man spricht und anhand von einladenden Gesten und Lächeln aus oft zahnlosen Mündern fühlt man sich willkommen.

 

Mittlerweile sind wir weiter nach Norden  gefahren. Leider ist der Wind nicht allzu ausgeprägt, sodass wir sehr oft unter Motor fahren. Wir liegen jetzt in einer Bucht, genannt Maden Iskele, in einer privaten Marina. Diese sehr kleine, ich würde sagen romantische Marina gehört zu einem Restaurant und es ist obligatorisch, dass man dann hier auch einmal essen geht. Denn das Liegen hier und auch das Wasser sind gratis. Wir haben unsere Tanks wieder aufgefüllt und die Independence außen und innen ordentlich mit Süßwasser geputzt. Heute wird auch noch unser Teakdeck nachgestrichen und den Rest des Tages werden wir schwimmen, im Schatten liegen und lesen. Wir halten uns die meiste Zeit des Tages schon im Schatten auf denn die Sonne ist schon enorm heiß und da zeigt das Thermometer schon bis zu 35 Grad an.

 

6.6.2003 (geschrieben am)

Ende Mai machten wir eine Woche Kurzurlaub in Österreich und die Independence lag in der Zwischenzeit in einer Marina in Marmaris. Von dort machten wir einen kurzen Abstecher nach Griechenland auf die Insel Symi um dort Diesel zu tanken nachdem dieser dort um einiges billiger ist als in der Türkei. Wir motorten und segelten dann die türkische Küste entlang bis nach Kusadasi. Das war ein Pflichttermin für uns denn wir wollten uns die Ausgrabungen von Ephesos ansehen. Wir buchten diesmal eine geführte Tour. Es sind wirklich unglaubliche Ausmaße die diese Ausgrabungen haben und außerdem werden sie von einem beachtlichen Teil von österreichischen Firmen gesponsort. Auch wurden manche Gebäude natürlich rekonstruiert, trotzdem sind noch viele Straßen, Theater, Gebäude, Bäder usw. teilweise im Original erhalten und es ist schon ein tolles Gefühl über Marmor aus der Zeit vor Christi Geburt zu wandeln.

So, genug Kultur – wir segeln weiter nach Norden , nach Sigacik, wo auch meine Eltern ankommen werden. Am Weg dort hin treffen wir wieder auf die „Second Life“ mit Bernd und seinem Bruder , welcher hier Urlaub macht , an Bord. Britt, Bernd`s Frau, ist nach Deutschland geflogen, da die beiden in den nächsten Tagen Großeltern werden.

Als wir im Hafen Sigacik ankommen, sagt uns der Hafenmeister schon, daß , wenn wir uns beeilen, wir noch den Bus nach Seferihisar erreichen können und dort ist heute Markttag. Nik und ich sind fertig und der Bus ist auch schon da. Und wir sehen dass Bernd und Rudi grade dabei sind, ihr Schiff zu verlassen und so bitten wir den Busfahrer doch noch eine Minute zu warten. Naja, und nachdem unsere Türkisch – Kenntnisse nicht so hervorragend sind, brauchen wir auch Handzeichen dazu und am Ende weiß der ganze Bus, was wir vier nun vorhaben. Das nächste Problem, wo in Seferihisar müssen wir aussteigen. Bernd fragt erst mal den Passagier der vor ihm sitzt. Wieder reden und deuten wir herum und wir merken, wie alle anderen schon auf uns aufmerksam werden und zu lachen anfangen. Als Bernd noch  zu früh aussteigen will, wird er von den anderen aufgehalten , was wiederum einige Lacher bedeutet. Zwei einheimische Damen hinter uns klopfen uns auf die Schulter und  meinen , sie wollen auch zum Markt, wir brauchen nur dort auszusteigen, wo auch sie aussteigen. Und so funktionierts. Es war eine lustige Busfahrt – ich glaube für alle. Nach dem Einkauf sind wir natürlich erstmal ordentlich durstig und sehen vor unserem geistigen Auge schon ein kühles Bier. Wir suchen ein typisches türkisches Lokal , eine Lokanta, auf und sitzen im Gastgarten mit einigen anderen unter großen, Schatten spendenden, Bäumen. Auf unsere Frage, ob es Bier gibt,  fragt der Kellner den Boss, der wiederum bejaht dies und schickt den Kellner zum gegenüber liegenden Supermarkt um für uns Bier zu besorgen.. Selbst führte diese Lokanta gar kein Bier. Das ist wahrscheinlich eine steuerliche Frage, ob sie Alkohol ausschenken oder nicht. Das nennen wir Service. Das Essen können wir uns in der Küche selber aussuchen und als wir wieder am Tisch sitzen kommt der Kellner, um diesen für das Essen vorzubereiten. Wir dachten, jetzt kommt noch ein Tischtuch über das schon vorhandene drüber. NEIN. Er breitet am Tisch eine Zeitung aus und das ist unser Tischtuch. Wir schütteln uns schon vor ( heimlichem ) Lachen und als er anstatt eines Salzstreuers noch ein Häufchen Salz auf die Zeitung schüttet, setzt das dem ganzen die Krone auf und wir hatten den ganzen Abend ein lustiges Gesprächsthema. Das Essen war dann supergut. Als wir dann in den Bus für den Heimweg einsteigen, wird Bernd gleich von einem Mann angesprochen, welcher im deutet, sich neben ihn zu setzen. Und die beiden unterhalten sich wieder vorzüglich in türkisch-deutscher-Zeichensprache.

 

24.06.03

Mittlerweile sind wir die Dardanellen, jene Meerenge, welche die Ägäis mit dem Marmarameer verbindet, herauf gesegelt. Wir hatten tollen Wind, mussten aber kreuzen. Jetzt war das aber kein einfaches Unternehmen. Die Dardanellen sind zwischen 0.8 und 4 sm breit und es herrscht reger Schiffsverkehr. Und immer wieder hielten wir uns vor Augen, dass wir eigentlich zwischen Europa und Kleinasien kreuzten. Das war ein wunderbares Gefühl. Man sah riesige Tanker und Containerfrachter und dazwischen waren wir mit unserem Segler unterwegs. Außerdem, und das ist das größere Problem, gibt es eine von Norden kommende , recht starke Strömung. Wir haben bis zu vier Knoten gemessen. Laut unserem Log ( zeigt die Geschwindigkeit des Schiffes durch das Wasser an) machten wir tolle Fahrt, allerdings hat uns das GPS ( welches den Weg über Grund ermittelt ) eines besseren belehrt. Wir gaben erst kurz vor dem Hafen Canakkale, in welchem wir die Nacht verbrachten, auf und starteten die Maschine. Am nächsten Tag ging`s weiter, den zweiten, etwas breiteren Teil der Dardanellen weiter. Hier war die Strömung auch nicht mehr so stark und wir machten gute Fahrt. Jetzt sind wir im Marmarameer. Wir sind eigentlich enttäuscht, denn dieses Meer ist stark verschmutzt und egal welchen Hafen man auch anläuft, es wimmelt gleich so von Quallen. Das heißt, unsere nächste Badegelegenheit wird erst im Schwarzen Meer sein (hoffentlich). Allerdings haben uns am ersten Tag im Marmarameer eine Menge Delphine begleitet. Es dürften so an die 15 Stück gewesen sein. Man hörte sie richtig atmen und auch hörte man ihre Piepslaute, als ob sie sagen wollten: spielt mit mir!

 

Wir sind bereits in Istanbul eingetroffen. Das Schiff haben wir etwas außerhalb in Mimar Sinan, einem kleinen Hafen, untergebracht. Diesen (Gratis-)Platz haben wir durch einen Segler aus Istanbul, welchen wir auf der Insel Marmara kennengelernt haben, bekommen.

Istanbul ist riesig groß. Es übertrifft alle unsere Vorstellungen. Die Stadt hat ca. 20 Millionen Einwohner und ist die einzige Hauptstadt, welche auf zwei Kontinenten, Europa und Asien, liegt. Jemand, der in Istanbul wohnt, sagte uns, wenn er seine Verwandten, die auch in Istanbul wohnen, besucht, muß er 150 km durch Stadtgebiet fahren um dort hin zu gelangen. Unvorstellbar. Auch in den Häfen und an der Küste geht es mit den Fähren zu wie in einem Taubenschlag. Aber wir haben diese Stadt als sehr sauber und gepflegt empfunden. Durch unseren Bekannten, dem Segler, kommen wir auch in Gegenden, wo sonst Touristen nie hinkommen. So holten er und seine Familie uns eines Abends ab und wir besuchten ein Konzert eines „Lokalmatadors“. Und anschließend waren wir noch in einer Bar, wo dieser mit seiner Band auch einen Auftritt hatte. Es ist eigenartig aber die türkische Poplieder klingen in unseren Ohren alle gleich. Aber dafür war es ordentlich laut. Auch die Taxifahrt dorthin war ein abenteuerliches Erlebnis. Ein junger Taxler, Vollgas, Überholen und Musik auch auf volle Power. Leise geht es hier nirgends zu, das haben wir schon festgestellt.

Wir bereiten uns jetzt auf unsere Reise durch den Bosporus ins Schwarze Meer vor. Wir müssen noch unsere Visa für die Ukraine besorgen und Wasser- und Dieseltanks auffüllen. Dann kann das Abenteuer losgehen. Wir müssen nämlich von Istanbul quer über das Schwarze Meer auf die Halbinsel Krim, d.h. ca. 300 Seemeilen bzw. 3 Tage (und Nächte) nur Wasser. Aber wir haben uns per Reiseführer schon ziemlich gut vorab informiert und wir freuen uns schon darauf.

BOSPORUS:

Der Bosporus ist die Meerenge zwischen Europa und Asien und verbindet das Schwarze Meer mit dem Marmarameer. Es ist eine sehr stark befahrene Schifffahrtsstraße. Nach ordentlich anstrengender Bürokratie beim Ausklarieren aus der Türkei in Istanbul fahren wir Dienstag Mittag los. Es ist ein traumhaft schönes Erlebnis auf eigenem Kiel an Istanbul vorbeizufahren. Blaue Moschee, Hagia Sophia und der Topkapi Palast, das alles ist schön vom Meer aus zu sehen obwohl wir unsere ganze Aufmerksamkeit dem Verkehr widmen müssen. Hier fahren die Fähren kreuz und quer, und das nicht gerade langsam, dazwischen immer wieder Frachtschiffe vom und in den Bosporus und wir mitten drin. Es ist wirklich aufregend und wir müssen die Wasserstraße kreuzen und fahren dann, segeln ist im Bosporus verboten, unter Motor die 17 Seemeilen nach Norden. Laut Hafenhandbüchern muß man hier mit bis zu 4-5 Knoten Gegenstrom rechnen. Wenn man bedenkt, daß wir so mit ca. 6 Knoten unterwegs sind, den Strom berücksichtigt, kann man sich vorstellen, daß wir nur sehr langsam vorankommen. Doch nicht so heute. Wir hatten überhaupt keinen Gegenstrom und waren bereits am frühen Nachmittag in Poyraz, unserem heutigen Ziel und Ausgangspunkt für unsere Fahrt nach Jalta, angekommen.

DIE ÜBERFAHRT:

Vor uns liegen 300 Seemeilen nur Wasser, anders ausgedrückt je nach Tempo bzw. Wind zwischen 50 und 86 Stunden Fahrt. Es ist Freitag Morgen, 5 Uhr, als es heißt Anker auf und wir fahren los. Auch hier herrscht noch einiger Verkehr und es ist immer wieder eine willkommene Abwechslung, wenn ein Schiff vorbeifährt. Man muß sich vorstellen, unter uns 2000 m Wasser und rings um uns auch nur Wasser. Nach  einer guten Lasagne zum Abendessen lege ich mich erst mal aufs Ohr. Nik hat Wache und wir segeln und motoren abwechselnd dahin. Nik ist recht fit und läßt mich bis 3 Uhr 30 morgens schlafen. Als ich dann rauskomme, ist er grade am Reffen ( Segel verkleinern) denn der Wind hat ordentlich zugelegt. Ich übernehme und um 4 Uhr 30 fängt es auch schon an hell zu werden. Als die Sonne aufgeht, übrigens eines der schönsten Erlebnisse, die es gibt, rundherum nur Wasser und dazu der Sonnenaufgang, lassen die Delphine nicht lange auf sich warten. Mir kommt es fast so vor, als ob die um diese Tageszeit so richtig munter und zum Spielen aufgelegt sind. Sie schwimmen in unserer Bugwelle mit und immer wieder hört man sie atmen und piepsen. Einfach wunderbar.

Und am späten Vormittag ist es mit dem Wind auch schon wieder vorbei. Wir motoren...... Stunde um Stunde und auch noch die halbe Nacht. Insgesamt sind wir 59 Stunden unterwegs. 3 Tage und 2 Nächte zwei Drittel unter Motor und ein Drittel unter Segel.

In Yalta angekommen legen wir im sehr unruhigen  Hafen an, verhandeln mit den Agenten, und gehen mit denen dann Einklarieren. Ohne Agent geht gar nichts. Und dieser kommt auch gleich mit 5 Begleitpersonen. Naja, an diesen Anblick werden wir uns gewöhnen müssen. Wir gehen jetzt erst mal in die Stadt und trinken irgendwo genüsslich ein Bierchen.

 

07. Juli  2003

Yalta

Wir sind positiv überrascht wie schön es hier ist. Yalta ist ein Kur- und Urlaubszentrum. Schon Lenin hat dies

Anfang des 20 Jahrhunderts erkannt. Er erklärte damals die Krim zur „ Nutzung für die Heilbehandlung der Werktätigen“. Und es wurden Sanatorien über Sanatorien gebaut. Diese werden auch heute noch genutzt, teilweise wurden sie aber auch in Hotels umgewandelt.

Als wir in die Stadt losziehen wollen, rät uns unser Agent noch, wenn wir in ein Restaurant gehen, sollten wir  immer vorher die Speisekarte lesen, damit man uns nicht übers Ohr hauen kann. Und wir danken noch für den Tipp. DENKSTE. Wer von uns kann kyrillisch lesen ????? Keiner !!!! Wir schauen uns ein paar Restaurants an und können uns aber nicht entscheiden, weil wir ja keine Ahnung haben, was es zu essen gäbe bzw. wie wir es bestellen sollten. Und dass eine Kellnerin englisch kann ist schon ein riesiger Zufall. Also entscheiden wir uns für ein „ internationales Restaurant“ und gehen zu Mc Donalds. Hier kann man ganz einfach mit dem Finger drauf zeigen.

Mittlerweile sind wir jedoch mit deuten und ein paar ukrainischen Vokabeln schon so weit, dass wir uns in jedes Restaurant vorwagen und so die gute, einheimische Küche probieren können. Im Hafen von Yalta liegen neben uns auch noch zwei Motoryachten von denen ein Kapitän aus New York ist und der andere ist Ukrainer und spricht englisch. Juhu. Das erleichtert die Sache ungemein und die beiden helfen uns sehr viel weiter.

Und da die Krim bekannt für ihren Wein ist, organisiert Alexander, der Ukrainer, für uns eine Tour zum Weingut in Massandra mit Führung und Verkostung. Allerdings dürfte er nicht bedacht haben, dass wir kein Wort ukrainisch sprechen. So wird die Führung durch das große Weingut eher nur ein Kellerräume und Flaschen anschauen, denn die Dame, welche die Führung macht, spricht leider kein englisch. Dann allerdings die Verkostung ist interessant. Die meisten Weine hier sind sehr süß. Die Likörweine weisen gut und gerne einen Zuckeranteil von 27 Gramm pro 100 ccm und einen Alkoholgehalt von bis zu 20% auf. Allerdings ist auch für uns ein sehr guter, trockener, starker Sherry und ein süßer Muskateller als Dessertwein dabei.

Der Krimsekt wie wir in von zu Hause kennen ist auch süß. Allerdings gibt es auch diesen in einer trockenen Ausgabe sodaß wir uns davon ein paar Flaschen auf Vorrat mitnehmen. Naja, soll uns schließlich nicht schlecht gehen. Aber bereits der Weg nach Massandra hat für uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn jener Taxifahrer, eigentlich kein richtiges Taxi sondern eher ein Freund von Alexander, ist der miserabelste aber schnellste Autofahrer den ich kennengelernt habe. Erst haben wir noch gelacht, dann jedoch, ist uns Angst und Bange geworden und wir haben uns geschworen, nie wieder mit so einem Wahnsinnigen mit zu fahren, bzw. wenn wir in so einem Auto sitzen, den Fahrer anzuhalten und auszusteigen, egal wo wir grade sind.

Ein schöner Ausflug war jener zum Voroncov Palast und zum Livadija Palast. In letzterem, einer Residenz von Zar Nikolaj II, dem letzten Romanov, trafen sich im Februar 1945 Churchill, Roosevelt und Lenin zur Konferenz von Yalta. Die großen Drei besprachen damals die Nachkriegsziele der Anti-Hitler-Koalition und legten damals unter anderem die genaue Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen fest. Außerdem einigten sie sich über die Notwendigkeit einer internationalen Friedesorganisation und vereinbarten eine Konferenz zur Gründung der Vereinten Nationen.

Wir wären noch gerne in Yalta geblieben, allerdings ist es im Hafen so unruhig, daß wir in der Nacht kein Auge zutun und bei Tagesanbruch weiterfahren. Unser nächstes Ziel ist Balaklava.

 

11. Juli 2003

Balaklava und Sevastopol

In der Bucht von Balaklava war seinerzeit die gesamte Schwarzmeerflotte stationiert. Es ist eine rundum geschützte Bucht mit einer nur schmalen Einfahrt. Auch wir genießen die Ruhe drinnen und schlafen uns so richtig aus. Hier besichtigen wir einen U-Boot Bunker der von außen wie ein normaler  Hügel aussieht, aber innen ist er wie ausgehöhlt mit 5 m dicken Betonwänden, hier ist Platz für 6 U-Boote und außerdem gibt es noch diverse Lagerräume für Torpedos und Atomraketen. Es ist eine schaurige Besichtigungstour natürlich mit ukrainischer Führung. Und die haben erzählt und erzählt, und wenn wir etwas nicht verstanden haben ( was ja fast immer der Fall war) na dann haben sie es eben wiedeholt und wiederholt und mit Händen und Füßen geredet, weil sie uns unbedingt etwas erzählen wollten. Wir waren von der Freundlichkeit dieser Menschen sehr beeindruckt.

Von Balaklava aus fahren wir mit öffentlichen Bussen nach Sevastopol. Die Stadt ist recht großzügig angelegt und wie die anderen auch mit sehr , sehr vielen Bäumen und Grünflächen durchzogen. Hier haben wir auch die Gelegenheit, in ein Delphinarium zu gehen. Es ist eine schöne Vorstellung wobei man eigentlich nicht weiß, soll man sich über das Dargebotene freuen oder sollte man sich über die Haltung dieser Tiere aufregen.

In einem der öffentlichen Busse lernen wir eine russische Touristin, welche gut englisch spricht, kennen. Natascha ist aus Irkutsk am Baikalsee, Sibirien. Sie besucht hier in Balaklava ihre Mutter und abends kommt sie mit ihren 3 Kindern noch zu uns auf die Independence. Nachdem wir die ersten „Sailors“ sind, die sie kennt, ist sie sehr beeindruckt. Auch sie ist die erste Bewohnerin Sibiriens die wir kennenlernen. Sie bringt ein paar Fotos mit, welche sie und ihr Familie z.B. beim Eisfischen zeigt. Mittels Atlas wird alles genau erklärt. Und mit einer Einladung, doch mal nach Irkutsk zu kommen, verabschieden wir uns voneinander.

 

Wir sind jetzt mittlerweile schon mit 2 anderen Booten unterwegs denn jetzt sind auch Mats und Ulla von der Hokus Pokus ( Schweden ) eingetroffen. Von der Wasserqualität des Schwarzen Meeres sind wir jedoch ein bisschen enttäuscht. Es gab bis jetzt kein Plätzchen ohne Quallen. Und die Wassertemperatur schwankt je nach Ort zwischen 8 ! und 23 Grad. Das heißt, schwimmen werden wir erst wieder im September in der Ägäis. Trotzdem sind die Strände und Strandbäder voll mit Menschen. Es gibt sehr viele russische Touristen hier aber aus dem Westen sind uns noch keine Touristen begegnet. Zum Wetter ist zu sagen: durchwachsen. Wenn die Sonne scheint ist es sehr heiß bis 35 Grad und trotzdem kühlt es in der Nacht auf 16 Grad ab. Brrrrrr.  (Odessa liegt ca. auf der Höhe von Marburg).

Es folgen einige wunderschöne Segeltage. Wir haben guten Wind und schönes Wetter und ab und zu ein Gewitter dazwischen. Eines Tages segeln wir des Abends in eine Bucht, in der wir übernachten wollen. Es empfängt uns glasklares Wasser wie wir es seit einem Monat nicht mehr gesehen haben. Und auch keine Quallen. Wir freuen uns auf das Schwimmen, hängen aber vorher den Thermometer ins Wasser. Reine Vorsichtsmaßnahme. Und als wir es ablesen, wissen wir auch, warum es keine Quallen gibt. Die sind schon längst abgefroren. 9° C ! Aber Seebären wie wir sind, wagen wir uns trotzdem hinein ( allerdings dauert das nur Sekunden ). Dass Meerestemperaturen derart schwanken können haben wir noch nie erlebt. Denn am nächsten Tag, ca. 90 sm weiter ankern wir in allerdings trübem Wasser, aber dieses hat 23 °C.

 

23. Juli 2003

Wir verlassen jetzt die Küste der Krim und segeln an der Festlandküste der Ukraine entlang in Richtung Odessa. Diese Stadt hat knapp über 1 Million Einwohner und ist der wichtigste Schwarzmeer Hafen. Man sieht hier riesige Schiffe aus vielen Teilen  der Welt.

Wiederum fällt uns auf, wie grün es hier überall ist. Unter den Sehenswürdigkeiten Odessas sind die Potemkin Stufen erwähnenswert. Gouverneur Potemkin war ein Günstling der Zarin Katharina II und sie ließ im 18. Jahrhundert diese Stufen nach ihm benennen. Wenn wir von der Marina, in welcher die Independence liegt, in die Stadt wollen, müssen wir jedesmal über diese Stufen marschieren. 192 Stufen und gute 32 Grad – wir kommen ordentlich ins Schwitzen. Ebenfalls einen Besuch wert ist das Opernhaus. Dieses wurde in den 1880er Jahren nach den Plänen österreichischer Architekten erbaut. Wir kaufen uns Logenkarten für La Traviata – der Preis umgerechnet 5 Euro pro Karte.

Die Fußgängerzone ist sehr belebt. Es reiht sich Gastgarten an Gastgarten und in sehr vielen wird abends Live – Musik geboten. Alle paar Meter steht jemand mit einer Schlange um den Hals oder einem Leguan in der Hand und bietet an, sich mit dem Tier fotografieren zu lassen. Oder mit einem Chinchilla, Pferd, Affen, Hasen, kleinem Krokodil  ..... das scheint hier sehr beliebt zu sein.

 

28. Juli 2003

KIEW

Wenn wir schon in der Ukraine sind, wollen wir auch in die Hauptstadt reisen. Wir entscheiden uns für den Bus. Es sind sehr komfortable Reisebusse mit WC und Minirestaurant an Bord. Und auch mit Video – Unterhaltung. Das komische daran ist, sie zeigen z. B. „Bird on a wire“ mit Goldie Hawn und Mel Gibson in der Originalfassung. Allerdings ist der Originalton leiser gestellt und eine ukrainische Männerstimme übersetzt sämtliche Rollen. Also ohne Untertitel – nur gesprochen. Und das völlig emotionslos. Nach 8 Stunden Fahrt erreichen wir Kiew. Die Stadt hat ca. 2,5 Millionen Einwohner und wiederum sehr viele Parks und Grünanlagen. Das gesamte Stadtbild ist wunderbar gepflegt und sauber und die Bewohner sind irrsinnig freundlich. Hier trifft man ab und zu auch auf jemanden der englisch spricht. Wir bleiben 2 Tage hier und marschieren Kilometer um Kilometer. Allerdings gibt es hier auch ein sehr gut ausgebautes U-Bahn Netz.

 

Wieder zurück in Odessa bekommt die Independence eine neue Sprayhood und ein Winterhouse. Wir können jetzt während der kälteren und nassen Wintermonate unser Cockpit komplett abdecken. Es ist zwar nicht völlig abgedichtet aber es hält die Kälte und Nässe ab, Fenster und Türen zum zippen sind drinnen und wir können es als Wintergarten nützen.

Hier erledigen wir dann noch sämtliche Ausreiseformalitäten und brechen auf zu einer Nachtfahrt, uns stehen gute 100 Seemeilen bevor, nach Rumänien.

 

3. August 2003

Wir starten nachmittags um 2 Uhr und laufen ca. 5 Seemeilen unter Motor. Danach setzten wir Segel und die bleiben drauf bis wir in Rumänien ankommen. Wir haben achterlichen Wind, Stärke 3 – 5, und wir machen uns schon Sorgen, dass wir zu früh ankommen und es noch nicht hell ist wenn wir einlaufen. Unser Ziel, Sulina, liegt ca. 8 Seemeilen stromaufwärts im Donaudelta. Hier ist das Fahrwasser mit Tonnen begrenzt und das wollen wir doch lieber bei Tageslicht passieren als in der Nacht. In der Nacht laufen wir nur unter Vorsegel und machen auch so 4 – 5 Knoten Fahrt und es ist einfacher zu handhaben während der andere schläft. Wir erreichen dann um kurz nach 9 Uhr am Vormittag Sulina und erledigen die Einreiseformalitäten. Die Leute von den Behörden hier sind sehr freundlich, mmer ein Lächeln parat. Das ist uns in Griechenland z.B. noch nicht passiert. Wir verlegen uns dann auf einen stillen Ankerplatz in einem Seitenarm der Donau und bleiben ein paar Tage hier. Mit unserem Dingi fahren wir in noch kleinere Seitenarme hinein und schlängeln uns zwischen Schilf und Seerosen hindurch und kommen uns vor wie Crokodile Dundee. Aber außer etlichen Laubfröschen ist leider nichts zu sehen. Das Donaudelta soll der letzte europäische Dschungel sein mit sehr vielen Fisch- und Vogelarten. Allerdings sollte man dazu eine Tour buchen um wirklich etwas zu sehen und da wir leider keinen geeigneten Ankerplatz finden konnten um ein paar Tage länger zu bleiben und Touren zu machen, haben wir uns entschieden wieder aus der Donau raus und nach Constanza zu fahren. Im Donaudelta wird vor 2 Dingen gewarnt. Erstens nicht zu weite Touren mit dem eigenen Dingi machen, denn man kann sich sehr leicht in diesem Gewirr von Kanälen verfransen und nicht wieder rausfinden. Und zweitens sollte man den Insektenschutz nicht vergessen. Denn bei Sonnenuntergang kommen die Moskitos in Scharen. Unglaublich. Aber  wir haben ja Gott sei Dank unser Moskitonetz. Ohne dem hätten wir ins Schiff flücheten und alles verriegeln müssen.

Rumänien betrachten wir eher als Durchreiseland nach Bulgarien. Denn wir werden immer wieder gewarnt, das Schiff alleine zu lassen denn es ziehen etliche Zigeuner durch die Gegend. In Mangalia z.B. wollten wir am Kai längsseits festgemacht, übernachten. Sogar der Hafenkapitän sagte uns, dass es besser sei, im Hafenbecken zu ankern. Und auf die Frage, ob er meint, wir könnten das Dingi am Kai befestigen während wir in die Stadt gehen, meinte er auch nein, das ist zu gefährlich. Naja, also passte die Hokus Pokus auf unser Dingi auf während wir loszogen, um unser letztes rumänisches Geld auszugeben. Wir verabredeten mit dem Hafenkapitätn, dass wir am nächsten Morgen um 7 Uhr in sein Büro kommen um auszuchecken. Da am selben Morgen um 8 Uhr Vorbereitungen zu einer Schau der Navy stattfinden wird, besucht uns ein Boot schon kurz vor 7 Uhr mit lautem Sirenenhorn um uns nochmal daran zu erinnern, dass wir auslaufen müssen. Sehr gastfreundlich!!! Also rauf mit den Segeln und ab Richtung Bulgarien.

 

13. August 2003

Wunderschöner Segelwind bringt uns von Mangalia in Rumänien nach Balchik in Bulgarien. Die meisten Schwarzmeer Häfen sind nicht im geringsten für Segler ausgelegt sondern nur für die Großschifffahrt. Das heißt für uns, wenn wir in ein neues Land kommen, müssen wir am Zollpier anlegen und dort sämtliche Einreiseformalitäten erledigen. Jetzt ist dieser Pier aber ungefähr noch 1,5 bis 2 m höher als unser Deck und das bringt einige Probleme mit sich. Wenn wir einlaufen und jemand steht an der Pier der uns hilft und unsere Leinen übernimmt und festmacht, geht es sehr gut. Wenn aber, wie meistens, keiner da ist, dann muß ich klettern. In Balchik z. B. bin ich mit der Leine in der Hand, so schnell wie möglich, denn es war ziemlicher Wellengang, auf die Pier geklettert und natürlich prompt in Möwendreck gelandet. Willkommen in Bulgarien. An dieser Stelle möchte ich etwas zu den Formalitäten sagen. In der Ukraine mussten wir einmal, in unserem Fall in Yalta, einklarieren, einem Agenten 150 US Dollar bezahlen ( dies ist z. B. in Odessa nicht nötig,warum, weiß kein Mensch ) und das war es auch schon. Nur mußten wir uns immer bei der Lebed, der ukrainischen Küstenwache, melden. Das heißt, bevor wir aus einem Hafen ausgelaufen sind, Lebed anrufen und sagen, wohin wir wollen. Unterwegs haben auch die uns immer wieder kontaktiert und gefragt nach dem woher und wohin. Wenn man sich an diese Grundbedingungen gehalten hatte, gab`s keine Probleme. In Rumänien mussten wir in jedem Hafen ein – und ausklarieren. Mit Zollkontrolle, Hafenbehörden und allem was dazu gehört. War aber auch kein Problem. In Bulgarien haben sie folgende Regelung. Ein ausländisches Schiff muss erstmal einklarieren und dafür auch bezahlen. Für ein Schiff bis 12 m Länge 10 US Dollar, über 12 m unverhältnismäßige 50 US Dollar. Da gabs für unsere Independence mit 12,80 kein pardon. Und da man auch hier in jedem Hafen ein- und ausklarieren muß, kann man sich vorstellen, dass dies ganz schön ins Geld geht. In einem Land, in dem der Durchschnittsverdienst bei ca. 100 Euro pro Monat liegt.

Die Alternative zu dieser teuren Lösung ist, man klariert einmal ein, bezahlt die 50 US Dollar und kauft dann noch für 20 US Dollar eine temporäre Erlaubnis zum Segeln in bulgarischem Gewässer. Dann zahlt man in den nächsten Häfen nichts mehr, allerdings bleiben die Originalpapiere der Yacht in jenem ersten Hafen und man muss wieder zum Ausgangspunkt zurücksegeln, um seine Papiere abzuholen und dann muss man auf direktem Weg das Land verlassen. Nicht sehr gastfreundlich.

Wir haben uns diese temporäre Erlaubnis gekauft, nachdem Nik`s Söhne, Gregor und Klaus, und ein Freund von den beiden für zwei Wochen zu uns an Bord kommen. So segeln wir mit den Jungs durch die Gegend und wenn die Quallen es erlauben, gehen wir auch ins Wasser. Allerdings freuen wir uns mittlerweile schon wieder gewaltig auf die saubere, klare, quallenfreie Ägäis.

Hier in Bulgarien trennen sich auch unsere Wege von denen der anderen beiden Schiffe. Hokus Pokus macht sich früher wieder auf den Weg zurück in die Türkei und Bernd und Britt mit der Second Life bekommen auch noch Besuch hier und segeln dann über Griechenland nach Kroatien um dort den nächsten Winter zu verbringen.

Im Hafen von Bourgas machen wir die Bekanntschaft mit einem Schweizer ehemaligen Käsemacher, Klaus,  welcher mit einer Bulgarin, Sissi; hier zusammen lebt. Die beiden haben ein Motorboot im Hafen liegen und sind behilflich, wo sie nur können. Und da es allein vom Yachthafen bis zum Ausgang Hafen ein guter Kilometer Fußmarsch ist, nehmen wir das Angebot, mit seinem Golf mitzufahren, nur zu gerne an. Außerdem bietet er uns an, uns zu einem sehr guten Supermarkt zu bringen. Und da wir , bevor wir Bulgarien verlassen, uns noch mit Wurst, Käse usw. eindecken wollen, sind wir begeistert. Das große Staunen kommt erst, als er uns vor einem riesigen BILLA Markt (18 Kassen) aussteigen läßt. Einmal in diesem Markt, glaubt man sich zuhause in Österreich. Es gibt alles, was man sich nur denken kann und davon eine riesige Auswahl. Wir langen ordentlich zu. Klaus wartet auf uns, lädt uns unterwegs noch zu einem Cappuccino ein, und bringt uns dann zurück zu unserem Boot. Ein Superservice, und wir ersparen uns viel Schlepperei. Ebenso ließ er sich nicht davon abhalten, Nik`s Jungs vom Flughafen abzuholen und auch wieder dorthin zurück zu bringen.

Ebenfalls hier in Bourgas liegt ein kleines amerikanisches Boot, die Whitecap, mit den Deutschen Kurt und Christine an Bord. Und auch die Olga, ein kleines deutsches Boot, mit Alice und Peter. Die beiden sind aus der ehemaligen DDR und schon 70 Jahre alt. Sie kamen mit ihrem Boot die Donau herunter und bleiben über Winter hier in Bourgas. Doch der Elan und den Schwung den Alice hat, ist bewundernswert. Und wenn sie Geschichten erzählt, und davon hat sie einige auf Lager, spricht sie mit dem ganzen Körper und die Augen leuchten. Wir haben Tränen gelacht als wir eines Abends alle an Bord der Independence zusammen saßen und ein Gläschen Wein miteinander tranken.

Aber wieder mal heißt es Abschied nehmen, Leinen los und ab in Richtung Türkei. Der Wetterbericht verspricht viel Wind und die Gelegenheit wollen wir nützen. Wir starten am 2. September um 12 Uhr mittags und haben 116 Seemeilen vor uns. Es gibt nicht nur viel Wind sondern auch hohe Wellen sodaß wir nicht auf die Hilfe des Autopilotes zählen können und selbst steuern müssen um auch den Kurs zu halten. In der Nacht wechseln wir uns immer nach 2 bis 3 Stunden Wache ab und so läuft es ganz gut bis wir am 3. September um 12 Uhr mittags in den Bosporus einfahren. Es ist nur noch eine halbe Stunde bis zum geschützten Hafen Poyraz.

Und jetzt wird erst mal gefrühstückt und anschließend geschlafen. Der Tag nach einer Nachtfahrt ist immer sehr „zäh“. Drum wird auch nichts Großartiges gemacht, außer aufgeräumt, und abends geht’s wieder früh ins Bett. In dieser Nacht fängt es erst so richtig an zu blasen, bis 6 Bft, und dazu kommt noch ordentlich viel Regen. Wir bleiben daher noch den ganzen nächsten Tag hier in der Bucht und freuen uns über die Süßwasserdusche, welche die Independence heute kriegt.

Als es dann am nächsten Tag wieder ein bisschen aufklart, holen wir den Anker herauf und fahren unter Motor, denn Segeln ist hier nicht erlaubt, den Bosporus hinunter. Es ist herrlich. Am Ufer, diesmal fahren wir an der europäischen Küste entlang, stehen wunderschöne Villen und der Strom läuft mit uns, sodaß unser GPS schon mal 9,2 Knoten ( das sind ca. 17 km/h ) Fahrt über Grund anzeigt. Das ist absoluter Rekord für uns. Wir haben das Schwarze Meer hinter uns gelassen, fahren an Istanbul`s Sehenswürdigkeiten vorbei und schon sind wir wieder im Marmara Meer und setzen die Segel, denn es kommt wieder toller Wind auf.

Als wir im Juni im Marmarameer waren, waren wir sehr enttäuscht über die Wasserqualität und die Unmengen von Quallen. Jetzt allerdings, Anfang September, müssen wir zu dessen Verteidigung sagen, wir haben klares Wasser und noch keine einzige Qualle gesichtet. War das Meer im September türkisblau und milchig, sodaß man keinen halben Meter tief gesehen hat, so ist es jetzt dunkelblau und klar und man erkennt die Delphine schon wenn sie unter dem Schiff durchschwimmen. Denn Delphine gibt es wieder viele. Sie kommen so nah ans Boot, daß man sie wieder atmen und piepsen hört. Wir überlegen , ob wir nicht das Schiff verlangsamen und ins Wasser springen sollen, damit wir mit ihnen schwimmen können. Aber wir befürchten, daß, sobald wir das Schiff anhalten, es für die Delphine nicht mehr interessant ist, und sie wegschwimmen. Also begnügen wir uns damit, dem Schauspiel von oben zuzusehen.

Am Montag, den 8. September liegt die letzte Etappe vor uns, wir segeln die Dardanellen wieder zurück, diemal Europa auf der rechten und Asien auf der linken Seite, in die Ägäis. Damit ist unser Ausflug ins Schwarze Meer beendet. Es war schön, wir haben viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt und auch viele interessante Menschen kennengelernt.

 

September, 2003 

Wir haben uns mit unserer Independence in die Inselgruppe um Ayvalik verzogen. Hier gibt es viele, kleine und unbewohnte Inseln und wir liegen mutterseelen allein in einer wunderschönen, geschützten Bucht. Wir können es gar nicht glauben, wie klar und rein das Wasser hier ist. Wir ankern auf ca. 5 Meter Wassertiefe und der Grund sieht zum Anfassen nahe aus. Hier genießen wir es wieder in vollen Zügen zu schwimmen und zu schnorcheln, denn es ist schon lange her, dass wir das gemacht haben. Ebenso wird der Willi geschrubbt, dass er ausschaut wie neu. Er hat in den Häfen des Schwarzen Meeres nur allzu oft als „Aussteighilfe“ herhalten müssen, und dementsprechend schaute er auch aus.

Mittlerweilen waren meine Eltern für eine Woche zu Besuch bei uns. Wir warteten auf sie in einer kleinen Bucht auf Lesbos, sie kamen um halb neun Uhr morgens schon an, und wir segelten dann weiter in eine wunderschöne, für mich typisch griechische, Bucht mit ringsum Felsen, einer kleinen griechischen Kirche, zwei Häuschen am Ufer und zwei kleinen Fischerbooten davor. Sonst nichts. Auch hatten wir diese Woche guten Segelwind, zeitweise sogar ordentlich viel, aber meine Eltern sind seefest und so gab es kein Problem. Ganz im Gegenteil, je stärker der Wind umso lieber, glaube ich, steht Papa am Steuer. Nur allzu gerne hätten wir in dieser Woche einen Fisch gefangen, die Angel schleppten wir immer nach. Doch, es sollte anscheinend nicht sein. Als die beiden dann wieder nach Hause mussten, segelten Nik und ich weiter nach Karaada, eine türkische Insel mit ebenfalls sehr schöner Bucht. Am Weg dort hin fingen wir einen Thunfisch mit ca. 40 cm Länge. Aber es waren grad nur zwei Portionen, die aber wirklich lecker. Der einzige der im Stillen wahrscheinlich darüber ganz froh war, dass wir keinen Fisch fingen, war Papa, denn er muss nicht unbedingt Fisch essen.

Aber anscheinend ist jetzt Fisch – Saison, denn schon als wir uns wieder auf den Weg machten, sind wir durch einen Schwarm Goldmakrelen sesegelt. Wir fingen zwei Stück, einer 350 Gramm einer 550 Gramm, innerhalb einer Stunde. Als wir sie rausfingen, es waren unsere ersten Makrelen, denn bisher haben nur Thunfische angebissen, konnten wir sie natürlich nicht gleich identifizieren. Wir sagten, dass sie ja eigentlich sehr schön aussehen und auch ganz appetitlich, aber trotzdem holten wir unser Fischbuch, um dort nachzulesen, was wir eigentlich essen wollen. Hier verglichen wir die Fotos mit unseren Exemplaren, stellten fest, dass es wirklich Goldmakrelen sein müssten, und dass diese vorzügliche Speisefische seien. Na dann, ab auf den Grill mit Ihnen.

 

Oktober, 2003

Schön langsam zieht auch in der Türkei der Herbst ein. Tagsüber wenn die Sonne scheint ( und das tut sie eigentlich immer) ist es richtig sommerlich mit über 30° aber abends braucht man schon einen Pulli und lange Hosen zum draußen sitzen. Und in der Nacht kühlt es schon ordentlich ab. Wir hatten schon nur mehr 14° und da bin ich im Bett schon mit 2 Decken zugedeckt und eingemummt. Aber die Heizung brauchen wir noch nicht. Wir sind zur Zeit um die beiden Halbinseln Datca und Bodrum. Und wir haben auch ordentlichen Wind. Vor ein paar Tagen lagen wir mit Anker und Heckleine in einer Bucht, doch der Wind kam aus der falschen ( nicht vorhergesagten) Richtung, sodaß wir um 3 Uhr morgens flüchten mussten. Ankerauf bei 20 Knoten Wind war kein Spaß und dann sind wir halt losgesegelt. Aber es war Vollmond und daher gute Sicht. Anschließend blieben wir zwei Tage in einer ruhigen, idyllischen Bucht und ich konnte wieder laufen. Ganz allein auf einer Forststraße, der Wind hat in den Pinien gerauscht, der Himmel dunkelblau, dazwischen immer wieder ein Blick aufs Meer und sonst hat man nur Bienen gehört , denn hier sind etliche Imker am Werk.

Jetzt , Ende Oktober, erhalten wir noch Besuch aus Österreich. Zwei Bekannte von uns kommen in Bodrum an. Nachdem wir ihr Gepäck an Bord verstaut hatten, sind wir mit dem Willi nochmal an Land gefahren um in der Stadt essen zu gehen. Unser Beiboot; Willi, haben wir ganz aus dem Wasser, auf den Strand gezogen. Wir hatten zwar etwas Wind, aber hier liegt er gut. Während wir so im Restaurant sitzen und genüsslich zu Abend essen, frischt der Wind auf und es bilden sich auch schon einige Wellen. Zurück am Strand stellen wir zu unserem Entsetzen fest, daß unser Willi weg ist. Gestohlen ? Abgetrieben? Aber aufgrund des, Gott sei Dank auflandigen, Windes gehen wir davon aus, daß er von einer Welle weggewaschen wurde. Wir suchen das Ufer ab und schließlich wird Nik fündig. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Allerdings wird es eine äußerst nasse Überfahrt. Vier Personen im Dingi und Wind und Wellen gegen uns. Wir werden alle miteinander klatschnaß.

Das war der Auftakt zu einer sehr windigen Woche. Es waren traumhafte Segelbedingungen mit Wind bis zu  44 Knoten.

Als wir dann am Ende dieser Woche in der Marina in Marmaris ankommen, fängt es an zu schütten als ob die Welt unterginge. Und dazu kommt noch sehr starker Wind, sodaß der Regen fast waagrecht daherkommt. Dieses Wetter dauert zwei Tage an und danach machen Nik und ich uns wieder auf den Weg weiter in Richtung Süden.

 

November, 2003

November ist unser Geburtstagsmonat. Wir verbringen meinen Geburtstag in einer kleinen, sehr idyllisch gelegenen Marina und dort gehen wir fein essen. Doch wir sind nicht nur zum Faulenzen hier. Nik streicht das Teak im Cockpit neu und taucht unter das Schiff, um die Opferanoden zu wechseln. Ich bin in der Zwischenzeit mit seiner Geburtstagstorte beschäftigt. Es liegen nicht viele Schiffe hier, aber neben uns eine österreichische Yacht mit 4 sehr netten Männern an Bord und wir haben uns von Anfang an von Schiff zu Schiff unterhalten. Am frühen Morgen des 5. November, um  7 Uhr 45 , es ist Nik`s Geburtstag, werden wir durch lautes Happy Birthday.....- Singen geweckt und dann wurde auch gleich mit Kaffee angestoßen.

Den ganzen Tag über sind wir unterwegs und sind wieder weiter nach Süden gefahren. Als wir im Golf von Fethiye in einer wunderschönen Buch ankern, ist das Wetter auch noch so wunderschön und warm, dass wir auch noch schwimmen  und schnorcheln können. Das ist ein Geburtstag!!!!

Außerdem ist im November auch noch Hochsaison der Thunfische. Wir ziehen immer Schleppleinen (neuerdings sogar 2 Stück) hinter uns her und am 8.11. zu Mittag beißt doch glatt einer an. Nur herein mit ihm und wieder raus mit der Angel, vielleicht will ja noch einer beißen. Um viertel vor vier beißt dann tatsächlich der zweite an und 15 min. später der dritte, aber der entwischt wieder. Wir verbringen dann 2 Tage in einer wunderbar geschützten Bucht in Kekova und verzehren die Fische, mhm lecker. Als wir dann wieder weiter Richtung Kemer fahren, beißen die nächsten. Ganze 3 Stück haben wir nochmal gefangen und der vierte ist wieder entwischt. Jetzt reichts dann! Aber ab morgen sind wir sowieso schon in der Marina und so haben wir bis zum nächsten Frühjahr auch keine Gelegenheit mehr Fische zu angeln.

 

So, jetzt sind wir in der Marina angekommen und bereits am Funk, als wir unsere Ankunft avisierten, wurden wir mit einem herzlichen „welcome home“ empfangen. Es sind viele alte Bekannte hier und auch viele neue Gesichter. Die Marina ist voll, es sind ungefähr 65 Boote, welche auch bewohnt sind.

Wir gewöhnen uns auch schon wieder an dieses Leben im Hafen. Ein Beispiel: um von der Waschküche zu unserem Boot zu kommen brauche ich normalerweise ca. 2 Minuten. Gestern dauerte es eine halbe Stunde denn immer wieder habe ich Freunde begrüßt, vom Sommer erzählt , Neuigkeiten erfragt usw.

Außerdem haben wir uns jetzt auch Fahrräder gekauft. Sie sind relativ klein und auch dementsprechend klein zu machen, wenn man sie für die Segelsaison wieder an Bord verstauen muß. Aber jetzt sind wir mobil, ansonsten marschiert man schon ordentlich.

 

Es ist unglaublich, wie schnell dieser Sommer wieder vorübergegangen ist und wir wieder hier in der Marina sind. Wir haben noch ein paar Arbeiten zu erledigen bevor wir es uns für den Winter gemütlich machen werden. In ein paar Wochen schon ist Weihnachten und diese Zeit werden wir wieder in Österreich bei unserer Familie verbringen.

 

Was für das nächste Jahr auf dem Programm steht wissen wir noch nicht. Wir werden es auf uns zukommen lassen. Es hängt auch von der politischen Situation im Nahen Osten ab, denn die Länder Libanon, Syrien und Israel würden uns reizen. Mal sehen, als wir letztes Jahr hierher kamen wußten wir auch noch nicht, daß es in diesem Jahr ins Schwarze Meer geht.

 

Wir werden es auch im nächsten Jahr weiterhin so handhaben, daß wir von Zeit zu Zeit emails mit Reisedetails an diejenigen verschicken, die gerne von uns informiert werden möchten. Aus diesem Grund bitten wir euch, uns doch ein email zu schicken, damit wir unsere Adressendatei wieder aktualisieren können, wenn ihr Interesse habt. Diejenigen von euch, mit denen wir heuer immer wieder in Kontakt gestanden haben, sind sowieso in unserer Adressendatei gespeichert und ihr erhaltet die Berichte auf jeden Fall.

Unsere Homepage, welche demnächst auch mit neuen Bildern aktualisiert wird, werden wir auch wieder am Ende des nächsten Jahres auf den letzten Stand bringen. Dazwischen gibt´s Infos über email.